Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Neu-Isenburg 8°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Freizeit: Skurriles Hobby: Daniel Beitlich sammelt Bunker

Daniel Beitlich sammelt gerne Dinge, darunter auch ungewöhnliche Objekte wie Bunkeranlagen. Es geht um das Bewahren – aber auch um neue Ideen für die aus der Zeit gefallenen Gebäude.
Daniel Beitlich sammelt Bunker Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) In einem Waldstück bei Gießen liegt dieser Luftschutzbunker, der ehemalige Nachrichtenbunker Gisela.
Gießen. 

Viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg haben Unbekannte versucht, einem Bunker aus dickem Beton Gemütlichkeit abzuringen. Mit Sofa und Ikea-Sesseln, Heizung, Bett und Teppich. Mittlerweile allerdings gleicht das Innere einer Räuberhöhle, die Möbel sind verschlissen und staubbedeckt, auf die wuchtige Wand hat jemand geschrieben: „MT & JA waren hier“. Unbekannt, wer das ist. Und der Bunker in einem Wald am Stadtrand von Gießen beherbergt noch weitere Rätsel – ein Grund, warum Daniel Beitlich solche Bauwerke sammelt.

Daniel Beitlich sammelt Bunker

„Bunker faszinieren, sie haben einen morbiden Charakter und sind architektonisch interessant“, erzählt der gebürtige Frankfurter. Er ist nach eigener Aussage leidenschaftlicher Sammler, trägt auch Tresore oder Karussellautos zusammen und besitzt eben fünf Schutzbunker, neben dem in Gießen auch weitere in Frankfurt und im südhessischen Babenhausen. „Sie sind eine Art Mahnmal“, sagt der 47 Jahre alte Immobilien-Projektentwickler. Schließlich sollten Menschen darin bei Luftangriffen Sicherheit finden. Sie seien ein Stück Geschichte, die er bewahren wolle. Und die damit verbundenen Geschichten ebenfalls.

Grüne Tür, spitzer Giebel

Etwa die des Bunkers im Wald. Es handelt sich um den in den 1930er Jahren unter den Nationalsozialisten gebauten „Nachrichtenbunker Gisela“, eine Kommunikationszentrale. Beinahe verwunschen steht er heute zwischen Bäumen und Gestrüpp. Versehen mit grüner Tür und spitzem Giebel hat er etwas von einem Hexenhaus. Damals war die Anlage eine wichtige militärische Einrichtung, also wurde sie getarnt. Von oben sollte alles wie eine Scheune aussehen. Die eigentliche Nachrichtenzentrale lag unterirdisch. Der Bunker blieb nach dem Krieg sich selbst überlassen. Die Möbel und anderen Hinterlassenschaften im Inneren erzählen davon, dass er irgendwann in den vergangenen Jahrzehnten als Treffpunkt oder Wohnstatt diente. Beitlich will aus dem Gebäude einmal eine Ausstellungshalle machen.

Daniel Beitlich sammelt Bunker

Bunker zu bewahren und für zivile Zwecke zu nutzen ist in vielen hessischen Städten ein Thema. Aufgegebene militärische Flächen werden verkauft, die Gebäude zu Wohnungen, Büros oder Veranstaltungsorten umgebaut. Kommunen erwerben sie, um etwa die bestehende Nutzung durch verschiedene Vereine aufrechtzuerhalten. Die Bundesanstalt, die sich unter anderem um den Verkauf früherer Militäranlagen kümmert, veräußerte in den vergangenen Jahren zehn Bunker in Frankfurt sowie drei in Kassel.

Der besondere Reiz

Daniel Beitlich hat einen seiner Bunker in Gießen zu einem Bürogebäude umfunktioniert. Berufsbedingt kennt er sich mit neuen Ideen für alte Militärareale aus: Als Projektentwickler kümmert er sich um die Nachnutzung solcher Konversionsflächen. „Ein Bunker ist die Königsklasse dieser Aufgabe“, sagt Beitlich. Dabei liege der Reiz darin, den Gebäuden eine neue, zivile Funktion zu geben, gleichzeitig aber ihren besonderen Charakter zu bewahren.

Daniel Beitlich sammelt Bunker Bild-Zoom Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)
Rakete aus Beton: Der Spitzbunker ragt rund 15 Meter in die Höhe.

Anders beim sogenannten Spitzbunker bei Gießen, der rund 15 Meter in die Höhe ragt wie eine Rakete aus Beton. Im engen Rund fanden einst bis zu 430 Soldaten Platz, um sich vor Luftangriffen zu schützen. Dicht an dicht müssen sie gesessen haben. Auch das ist Geschichte, die bewahrt werden soll.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse