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Nach G20-Gipfel in Hamburg: So läuft die Seelsorge für hessische Polizisten

Von Der Polizeiberuf ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Das haben die Krawalle beim G 20-Gipfel vor Augen geführt. Aber auch im normalen Alltag sind die Beamten Belastungen ausgesetzt, die immer wieder den Einsatz von Polizeiseelsorgern nötig machen.
Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Gottesdienste für Polizisten wie hier im Frankfurter Polizeikommissariat gehören zum Angebot der Seelsorge.
Rhein-Main. 

Autos in Flammen, Geschäfte in Trümmern, Tränengasschwaden, gepanzerte Fahrzeuge mit montierten Wasserwerfern, Horden schwarzgekleideter, vermummter Demonstranten, die sich Straßenschlachten mit Polizisten in martialischer Schutzausrüstung lieferten. Es waren Szenen fast wie aus einem Krieg, die in diesen Tagen aus Hamburg zu sehen waren. Auch Joachim Michalik hätte die Auseinandersetzungen auf dem G 20-Gipfel normalerweise hautnah miterlebt, wenn er in dieser Zeit nicht auf einer Familienfreizeit für Polizeibeamte gewesen wäre.

„Ich wurde von der Bereitschaftspolizei gebeten mitzufahren“, sagt der 61-Jährige aus Rosbach. Allerdings hätte Michalik dann nicht im Getümmel mitgemischt, sondern eher in der „zweiten und dritten Reihe“, da wo das Einsatzfeld eines Polizeiseelsorgers bei solchen Gelegenheiten ist. Er sei bei Einsätzen in der Regel in den Bereitstellungs- und Ruheräumen, wohin sich die Polizisten zwischendurch zurückziehen können. Dort diene er dann als Ansprechpartner für die Beamten, sagt Michalik.

Einsätze dieser Art seien für die Polizisten eine extreme Belastung, weiß der Seelsorger aus Erfahrung, schließlich hat er 2015 die Krawalle auf der Blockupy-Demonstration in Frankfurt bei der Eröffnung der Europäischen Zentralbank miterlebt. „Die Polizisten werden beschimpft und angegriffen“, sagt er. Einmal sei ein Polizist auf der Rückfahrt von einer Lagebesprechung allein in seinem Wagen an einer Kreuzung von lauter Chaoten umringt gewesen, erinnert sich Michalik an eine angsteinflößende Szene, die ihm von einem Beamten geschildert worden sei. Was er in solchen Situation tun könne? „Meine Rolle ist die eines Fragenden und Zuhörenden, ich habe keinen Trost in der Tasche.“

Die Begleitung von Polizisten bei ihrem Einsatz ist aber nur ein Aspekt der Polizeiseelsorge in Hessen und auch in anderen Bundesländern. „Polizistinnen und Polizisten erleben sich von vielen Seiten unter Druck“, heißt es in einer Beschreibung der katholischen Polizeiseelsorge, für die Michalik im Dienst des Bistums Mainz aktiv ist (siehe Info).

Nicht nur, dass im alltäglichen Dienst die verbalen und körperlichen Angriffe auf die Beamten zunähmen. Dazu kämen hohe Erwartungen an die Einsatzbereitschaft, Frust im Beruf und familiäre Probleme.

Chaos in Hamburg: Gewaltsame Proteste überschatten in der Hansestadt den G20-Gipfel. Zerstörte Fahrräder, brennende Mülltonnen und Fahrzeuge, Steine und Trümmer liegen auf der Straße, Fensterscheiben wurden eingeschlagen, Supermärkte geplündert. Unsere Bilderstrecke zeigt Szenen der Verwüstung.
Im Zweifel blind Viele linke Politiker und Intellektuelle verharmlosen ...

Bei friedlichen Demonstrationen würde die Polizei niemals eingreifen. Sie wird vom Schwarzen Block bewusst in bürgerkriegsähnliche Schlachten hineingezwungen. Deshalb ist es fahrlässig und dumm, den Rechtsstaat als Gewaltstaat zu denunzieren.

clearing

Ortswechsel, das Präsidium der Frankfurter Polizei an der Adickesallee. Hier ist der Arbeitsplatz von Arno Menge, seines Zeichens Kriminalhauptkommissar in der Abteilung K65, die sich mit Geldwäsche beschäftigt. Zusätzlich hat der 46-Jährige ein Ehrenamt. Menge ist Mitglied im Beirat der katholischen Polizeiseelsorge in Hessen und damit ein Brückenkopf zwischen Kirchen und Sicherheitsbehörden. Der Frankfurter nimmt dabei nicht nur an den jährlich vier Beiratssitzungen teil, organisiert Veranstaltungen wie Andachten im Präsidium und ist auch Ansprechpartner für die Bediensteten der Polizei.

Ein ausgebildeter Seelsorger ist Menge zwar nicht, und er hat auch keine festen Gesprächszeiten. „Aber die Kollegen kennen mich und wissen, dass ich ein offenes Ohr für sie habe“, sagt er. Natürlich könne er nicht in sämtlichen Fällen helfen. „Wenn ich merke es wird kritisch, verweise ich die Leute an die eigentliche Seelsorge“, sagt Menge.

Diese habe den Vorteil, dass sie unabhängig und nicht weisungsabhängig ist. Im Gegensatz zum zentralen psychologischen Dienst der Polizei. Außerdem besitze die Seelsorge ein Zeugnisverweigerungsrecht. „Wenn ein Kollege zu ihm komme und sagt, er habe ,Scheiße’ gebaut, muss ich es nicht zur Anzeige bringen“, sagt Menge, der seit 1990 bei der Polizei ist und die Sorgen und Nöte seiner Kollegen nur zu gut kennt. „Sie werden mit Dingen konfrontiert, von denen Sie nicht glauben, dass es sie gibt“, sagt er.

Ob die Nachfrage nach seelsorgerischem Beistand in den letzten Jahren gestiegen ist, kann er nicht sagen. Generell sei die Polizeiseelsorge aber heute viel präsenter als früher. „Sie ist ein Stück weit Teil unserer Kultur bei der Polizei geworden“, sagt Menge. Für viele Kollegen sei es zudem ermutigend zu sehen, dass noch andere Gläubige da seien.

„Ich spüre eine große Wertschätzung für die Arbeit der Polizeiseelsorge, auch seitens der Polizeiführung“, sagt Sabine Christe-Philippi, die seit einem halben Jahr für das Bistum Limburg als Polizeiseelsorgerin arbeitet. Eine besondere Chance sieht sie auch darin, dass sie als erste Frau in der katholischen Polizeiseelsorge Hessens unterwegs ist. „Vielen Polizisten eilt der Ruf voraus, sie müssten harte Charaktere sein, sagt die 50-Jährige, die sich erhofft, dass sich der eine oder andere ihr gegenüber öffnet.

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