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Meister Adebar landet: Storchen-Population steigt in Hessen wieder an

Die Störche sind zurück - die Zugvögel gelten als Frühlingsboten. In einigen Regionen hat ihre Zahl in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Das freut Naturschützer. Es gibt aber auch besorgte Stimmen.
Foto: Patrick Pleul/Archiv Foto: Patrick Pleul/Archiv
Echzell. 

Stefan Stübing richtet sein Fernglas auf eine Baumgruppe am Horizont: „Da hinten ist auch eines.“ Zwischen den kahlen Ästen hat sich ein Storchenpaar ein Baumnest gebaut. Regungslos stehen die beiden im eisigen Frühlingswind. Stübing, Vogelkundler bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie, lässt sein Fernglas über das Auengebiet mit Wiesen und Wasserflächen schweifen: Acht Storchenpaare leben in dem kleinen Naturschutzgebiet in der Wetterau nördlich von Frankfurt.

Rund 500 Storchenpaare zählten Naturschützer im vergangenen Jahr in Hessen, die meisten in den südlichen Landesteilen. Vor 30 Jahren noch waren Weißstörche extrem selten geworden; in ganz Westdeutschland sanken die Bestände auf 600 bis 800 Paare. Jetzt leben in Deutschland wieder rund 4400 Brutpaare.

Gefahr für das Wild

Was die Naturschützer freut, macht einige Jäger besorgt: So warnte im vergangenen Jahr der Kreisjägerverein im südhessischen Groß-Gerau, dass zu viele Störche andere Tierarten in ihrer Existenz bedrohen könnten. Störche bedeuteten eine Gefahr für das gesamte Niederwild, weshalb zum Beispiel keine künstlichen Nisthilfen mehr gebaut werden sollten. „Jetzt haben wir ganze Reviere, da gibt es keine Hasen mehr, da ist der Besatz mit Rebhühnern gleich null“, zitierte die Regionalpresse einen Jäger. Der Weißstorch sei keine gefährdete Art, betont Markus Stifter vom Landesjagdverband Hessen. „Wenn es Hinweise gibt, dass eine Art regional besonders häufig vorkommt, können andere Tiere dadurch bedroht sein.“ Aber klar sei auch: Der Storch unterliege dem Naturschutzrecht und nicht dem Jagdrecht. „Die Bejagung ist daher ausgeschlossen und wird von uns auch nicht gefordert.“

Störche mögen vor allem Mäuse, sie fressen Aas, Käfer, Heuschrecken, sehr gerne Ratten, Regenwürmer und Amphibien – wenn sie welche finden. Mehrere Jahre lang habe er sich mit dem Thema beschäftigt, sagt der Storchen-Experte Kai-Michael Thomsen. „Ich habe nur einmal gesehen, dass ein Storch einen Junghasen aufgenommen hat. Der war totgemäht worden bei der Wiesenmahd.“

Veränderte Zugrouten

Thomsen arbeitet beim Naturschutzbund Nabu in Bergenhusen. Der Ort in Schleswig-Holstein nennt sich „Storchendorf“. 20 Weißstorchpaare ziehen jedes Jahr im Dorf ihre Jungen groß. „Die Menschen in Bergenhusen leben seit mehreren hundert Jahren mit den Störchen“, erzählt Thomsen. Sie seien stolz darauf; alle fragten nach, wie viel Nachwuchs es in diesem Jahr gebe. „Jeder möchte einen Storch auf seinem Dach haben.“

Grund für die Zunahme der Störche in einigen Regionen Deutschlands sind veränderte Zugrouten: Die „Ostzieher“ fliegen über die Länder des östlichen Mittelmeeres nach Afrika und verbringen den Sommer in ihren nördlichen Brutgebieten. Die „Westzieher“ sparen sich inzwischen den Flug nach Westafrika und überwintern in Spanien. Auf Müllkippen finden sie genug zu fressen. „Aufgrund der Zugverkürzung haben sie geringere Winterverluste“, erklärt Thomsen. Allerdings stünden auch in Spanien „starke Veränderungen bevor“; Mülldeponien würden geschlossen. Daher werde sich die Storchenzahl „wohl einpendeln“.

Er passt hier rein

In dem kleinen Auengebiet in der Wetterau haben sich jetzt im Frühjahr verschiedene Entenarten niedergelassen. Ein Schwarm Kiebitze fliegt auf. Auf den Wiesen schreiten majestätisch die Störche dahin, auf der Suche nach Nahrung. In dem Gebiet leben die seltenen Knoblauchkröten, Kammmolche und 40 Libellenarten. „Wir machen seit Jahren ein Monitoring und können keine Abnahme der Arten feststellen“, sagt Stübing. Unzählige Amphibien hätten sich angesiedelt.

Es könnten weitere Störche hinzukommen, sagt der Vogelkundler: „Wir verhängen keinen Einwanderungsstopp für den Storch. Er passt hier rein und schadet nicht.“ Und Kai-Michael Thomsen aus Schleswig-Holstein meint: „Die Leute sollten sich daran erfreuen, dass Störche wieder häufiger Gäste in unserer Landschaft sind.“ Nach Bergenhusen kämen regelmäßig Besucher aus Dänemark. „Sie sind begeistert“, erzählt Thomsen: In ganz Dänemark leben nur zwei Storchenpaare.

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