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Bildung: Studie: Schulgeld an Hessens Privatschulen zu hoch

Hessen reguliert nach einer neuen Studie den Zugang zu Privatschulen zu wenig. Deshalb könnten viele Kinder aus einkommensschwachen Familien dort keine Privatschule besuchen.
Krankenhausschule in Gailingen Foto: Patrick Seeger (dpa) Erstmals wurden die Schulgelder an allen Schulen in freier Trägerschaft erhoben und ausgewertet.
Frankfurt. 

Einkommensschwache Familien in Hessen und Berlin haben einer Studie zufolge wegen des hohen Schulgeldes nur geringe Chancen, ihre Kinder auf Privatschulen zu schicken. Zudem nehmen Schulpolitik und Verwaltung in beiden Ländern ihre Aufsicht über staatlich geförderte Privatschulen nur unzureichend wahr, wie aus einer am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hervorgeht.

Für die Untersuchung haben die Autoren nach eigenen Angaben erstmals die Schulgelder an allen Schulen in freier Trägerschaft in den beiden Ländern erhoben und ausgewertet. Der Verband Deutscher Privatschulverbände (VDP) kritisierte die Ergebnisse der Studie als realitätsfern. In Hessen werde ganz auf Vorgaben der Verwaltung verzichtet. Derzeit betrage das durchschnittliche Schulgeld an den 152 hessischen Privatschulen 312 Euro pro Monat.

Die Hälfte (46 Prozent) der freien Schulen verlange Schulgebühren über 200 Euro. Bei 18 Prozent der Schulen lägen die Schulgebühren bei 300 bis 600 Euro.

Laut der WZB-Studie verstößt auch die Mehrheit der Berliner Privatschulen im aktuellen Schuljahr 2016/2017 gegen die Vorgaben des Senats. Diese lägen derzeit bei 100 Euro pro Monat für Familien mit einem jährlichen Bruttojahreseinkommen bis 29 420 Euro. Von 94 Grundschulen in freier Trägerschaft hielten nur 30 die Vorgaben ein, von den 67 privaten Sekundarschulen nur 21. Diejenigen, die die Vorgaben einhalten, seien fast ausschließlich konfessionelle Schulen, so die Autoren. Das schlage sich in der sozialen Zusammensetzung der Schülerschaft nieder. Dafür untersuchten die Wissenschaftler den Anteil lernmittelbefreiter Schüler als Indikator für Einkommensarmut der Eltern. Während an öffentlichen Grundschulen (Klasse 1 bis 4) rund 36 Prozent Schüler eine Lernmittelbefreiung haben, betrage dieser Anteil an Berliner Privatschulen nur sieben Prozent. Ein ähnliches Bild ergebe der Vergleich der Sekundarschulen. Zudem werde nur in jeder zweiten Privatschule das Schulgeld für Kinder aus einkommensschwachen Familien erlassen. Hinzu kämen verdeckte Schulgebühren wie Aufnahmegebühren von durchschnittlich 500 Euro oder verpflichtende Beiträge für den Förderverein. Auch in Hessen könnten daher nur wenige Schüler aus einkommensschwächeren Haushalten Privatschulen besuchen. Selbst an den Schulen, wo ein Schulgelderlass gewährt wird, profitieren nur zwei Prozent der Schüler davon – deutlich weniger als der Anteil von 14 Prozent der unter 18-Jährigen, die in Hessen Sozialleistungen beziehen.

Der Verband Deutscher Privatschulverbände verwies am Donnerstag auf die starke staatliche Unterfinanzierung von Schulen in freier Trägerschaft. Sie bekämen nur 60 bis 70 Prozent von den Geldern, die in öffentliche Schulen fließen. Bei einer ausreichenden staatlichen Finanzierung könne auf die Erhebung von Schulgeld weitgehend verzichtet werden, erklärte Verbandspräsident Klaus Vogt.

(epd)
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