E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Neu-Isenburg 24°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

CDU: Wie der Hesse Helge Braun die Kanzlerin beeindruckte

Helge Braun hat elf Jahre Bundestag und vier Jahre im Kanzleramt hinter sich. In der Öffentlichkeit ist er kaum bekannt. In der hessischen CDU hingegen ist er tief verwurzelt – vor allem in der Stadt, aus der auch der Ministerpräsident stammt.
Kabinett Foto: Michael Kappeler (dpa) Helge Braun nimmt am Kabinettstisch Platz.
Gießen/Berlin. 

Für Helge Braun geht es aufwärts. Bisher stand sein Schreibtisch in der fünften Etage des Kanzleramtes, künftig arbeitet er zwei Etagen darüber, nur wenige Schritte vom Büro der Bundeskanzlerin entfernt. Angela Merkel hat den 45-jährigen Hessen zum Chef des Kanzleramtes erkoren. Wie sein Vorgänger Peter Altmaier, der nun als Minister ins Wirtschaftsressort wechselt, ist Braun ein Vertrauter der CDU-Chefin.

Vier Jahre lang war er als Staatsminister bei der Kanzlerin auch für die Bund-Länder-Beziehungen zuständig. Merkel soll das Wirken Brauns in den Koalitionsverhandlungen besonders gut gefallen haben – gemeinsam mit der designierten Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), leitete er die Arbeitsgruppe Digitales.

Auch künftig soll er nach dem Willen der CDU das auf zahlreiche Ministerien verteilte Zukunftsthema bündeln, neben der zeitraubenden Arbeit als neuer Regierungsmanager.

Als „ChefBK“ leitet Braun eine Machtzentrale mit rund 600 Mitarbeitern und einem aktuellen Jahresetat von 2,9 Milliarden Euro. Der Kanzleramtschef koordiniert die Regierungspolitik, steht in Austausch mit den Ministerien, mit dem Bundestag und den Bundesländern. Gibt es Zoff, muss Braun schlichten.

Wer Braun bei den Morgenlagen mit der Kanzlerin erlebt hat, weiß seine Zuverlässigkeit zu schätzen: „Immer solide, sehr freundlich und umgänglich, sehr klar und stark mit seinen Argumenten“, sagt jemand, der ihn gut kennt und dem Hessen wohlgesonnen ist. Aber es gibt einen Unterschied zu Altmaier: Braun liebt es, im Hintergrund zu wirken. „Er ist nicht der Talkshow-Typ – für die Managementaufgabe als Kanzleramtschef genau der Richtige“, heißt es in der CDU.

Abseits der Kameras

Einer breiten Öffentlichkeit ist Braun bislang unbekannt, dabei wirkt der Hesse schon länger im Berliner Politikbetrieb. 2002 kam er erstmals in den Bundestag, das Direktmandat holte damals allerdings der SPD-Mann Rüdiger Veit, mit dem er sich bei Wahlen immer wieder duellierte. Bei der vorgezogenen Neuwahl 2005 kam Braun nicht ins Parlament. 2009 konnte er Veit das Direktmandat abjagen, ebenso 2013. Auch 2017 gewann Braun mit den meisten Erststimmen. Von 2009 bis 2013 war Braun an der Seite von Ministerin Annette Schavan Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. Nach der Bundestagswahl vom 24. September war Braun an den Jamaika-Sondierungen und später bei den Verhandlungen mit der SPD beteiligt und gab gelegentlich auch Statements ab. „Helge – wer?“, fragten einige Medien.

Als Staatsminister seit 2013 und Flüchtlings-Krisenmanager ab Herbst 2015 agierte er abseits der Kameras. Der frühere Job als Anästhesist hilft noch heute. Egal, ob bei einer politischen Herausforderung oder bei einer Situation im OP – wenn Leute schnell nervös würden, führe das zu schlechteren Entscheidungen.

Seine Benennung ist auch ein Zeichen für die Verjüngung der CDU. Immerhin befinden sich vier der sechs von Merkel benannten Minister in der Altersspanne von Ende 30 bis Mitte 40, Braun selbst hat mit 45 Jahren womöglich noch ein halbes Politikerleben vor sich.

In Gießen geboren

Sein Werdegang hätte Braun auch dafür prädestiniert, Bildungs- oder Gesundheitsminister zu werden. Jedoch hat er an der Rolle des Generalisten Gefallen gefunden. „Deshalb ist die neue Position als Chef des Bundeskanzleramtes meine Wunschaufgabe“, sagt Braun.

In Gießen wurde er geboren, machte Abitur und studierte Humanmedizin. Am Uni-Klinikum arbeitete er als Anästhesist und Notfallmediziner. Parallel engagierte sich Braun früh in der Politik, mit 17 Jahren trat er in die Junge Union ein, kurz darauf in die CDU. Dem CDU-Kreisverband, den er seit 2004 führt, will er weiter vorstehen, am 9. März wird der Kreisvorstand neu gewählt. Wenn es die rare Zeit zulässt, ackert er mit seiner Frau Katja gern im Garten, trifft Freunde und kauft auf dem Wochenmarkt ein. Auch hessische Weggefährten schätzen seine ruhige Art. „Selbst wenn alles tost und sich alle streiten – da kommt einer daher, 1,90 Meter groß, breit, mächtig und sagt: ,Passt mal auf, ich habe als Notarzt gearbeitet, da musst du als allererstes Ruhe bewahren‘“, charakterisiert Regierungschef Volker Bouffier (CDU) Braun, den er schon seit dessen Grundschulzeit kennt. Er habe einen klaren Blick und fälle schnell Entscheidungen. „Und ich glaube, das ist eine gute Grundlage auch für diese zentrale Aufgabe in der Bundesregierung.“

Sein Stellvertreter im Bezirksvorstand der CDU Mittelhessen, Marian Zachow, sagt: „Helge ist völlig unideologisch, ganz im positiven Sinn. Ich glaube, Merkel und Braun ticken beide ähnlich pragmatisch.“ Bezeichnend war sein Tweet nach dem Ja der SPD-Parteibasis zur Groko: „So, ran an die Arbeit.“

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen