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Immer mehr Attacken auf Gesetzeshüter: Gebissen, getreten, getötet: Hessische Polizisten als Opfer

Hessische Polizisten werden immer öfter zur Zielscheibe brutaler Attacken: Sie werden geschlagen, bespuckt, gebissen, getreten – und manchmal sogar getötet. Der Schutz der Ordnungshüter beschäftigt derzeit auch den Bundestag. Wir haben die schlimmsten Fälle in der Region zusammengefasst.
Gewalt gegen Polizisten hat auch in Hessen zugenommen. (Archivbild) Foto: Carsten Rehder (dpa) Gewalt gegen Polizisten hat auch in Hessen zugenommen. (Archivbild)
Frankfurt. 

Sie sollen die Bürger beschützen – und sind doch immer häufiger selber Zielscheiben brutaler Attacken: Hessische Polizisten werden bei ihren Einsätzen angepöbelt, getreten, gebissen, krankenhausreif geprügelt – und manchmal sogar getötet.

Gerade erst hat in Frankfurt ein 17-Jähriger einem Zivilbeamten auf der Zeil ohne Vorwarnung mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Noch in schrecklicher Erinnerung ist das Drama um zwei Polizisten an Heohnebend 2015 am Herborner Bahnhof. Dort hatte ein 27 Jahre alter Mann die beiden Beamten mit einem Messer attackiert, die einem Zugbegleiter zu Hilfe eilen wollten. Ein 46-jähriger Polizist starb an den Folgen der zahlreichen Stiche. Sein Kollege überlebte schwer verletzt.

Trauriger Trend hält an

Die erschütternde Bluttat steht in einer langen Reihe von Angriffen gegenüber Gesetzeshütern. So lag im Jahre 2016 die Zahl der registrierten Attacken in Hessen mit 3468 um 12,9 Prozent höher als im Vorjahr (3071 Attacken) – Höchststand für das Bundesland. Die Opfer in den meisten Fällen: Streifenpolizisten, die überwiegend abends und von betrunkenen Gewalttäter traktiert werden.

Wie Andreas Grün, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Hessen, gegenüber fnp.de feststellte, gebe es immer wieder Fälle mit häuslicher Gewalt und alkoholisierten Tätern, "in denen es fast unausweichlich zu körperlicher Gewalt kommt". Mit Blick gerade auf solche Einsätze sei zu hoffen, dass der Gesetzgeber künftig den Beamten auf Streife den Einsatz von Elektroschockpistolen ("Taser) erlaube – wie es in Berlin und Rheinland-Pfalz bereits erfolgreich getestet worden sei.

Bilderstrecke Messerattacke: Polizist in Herborn tödlich verletzt
Bei einer Messerattacke ist ein 46 Jahre alter Polizist im hessischen Herborn getötet worden. Ein weiterer Beamter sowie der mutmaßliche Täter wurden am Morgen des Heiligabend schwer verletzt.Bei einer Messerattacke ist ein 46 Jahre alter Polizist im hessischen Herborn getötet worden. Ein weiterer Beamter sowie der mutmaßliche Täter wurden am Morgen des Heiligabend schwer verletzt.Bei einer Messerattacke ist ein 46 Jahre alter Polizist im hessischen Herborn getötet worden. Ein weiterer Beamter sowie der mutmaßliche Täter wurden am Morgen des Heiligabend schwer verletzt.


Wir haben einige der zahlreichen Übergriffe auf Polizisten der vergangenen Monate und Jahre aus Frankfurt und der Region zusammengetragen.

Schizophrener schießt und verletzt Beamte und Pfleger

Im Juli 2016 machte der Fall eines schizophrenen Patienten am 12. Juli 2016 in der Psychiatrie des Krankenhauses Höchst Schlagzeilen. Der Patient lief nur noch nackt durch die Station und legte sich ständig mit anderen Patienten an. Nachdem er gegen eine Frau gewalttätig geworden war, wurde die Polizei alarmiert, die gleich mit drei Beamten anrückte. Doch auch diesen gelang es nicht, den wütenden Patienten unter Kontrolle zu bekommen.

Schon vorher hatte er sich geweigert, sich auf das sogenannte Fixierbett zu legen. Stattdessen gelang es ihm im allgemeinen Gerangel und Geschubse, die Dienstwaffe eines der Beamten unbemerkt aus dem Holster zu ziehen. Noch bevor die Beamten einschreiten konnten, schoss der Mann wahllos um sich. Er hörte erst auf, als das gesamte Magazin leergeschossen war. 15 Schüsse gab er ab und versetzte damit das gesamte Krankenhaus in helle Aufregung. Die blutige Bilanz seiner Tat: Ein 26 Jahre alter Polizist wurde gleich drei Mal getroffen und musste ärztlich behandelt werden. Auch einen der Krankenpfleger traf es am Arm.

Fluchtversuch: Autofahrerin fährt Polizisten über den Fuß

Auf besonders rabiate Weise versuchte sich Ende November 2016 eine Autofahrerin im rheinhessischen Worms der Verfolgung durch Polizeibeamte zu entziehen. Sie fuhr ihm über den Fuß gefahren und klemmte dabei sein Bein zwischen ihrem und einem geparkten Fahrzeug ein. Die Ermittler hatten in der Nacht zunächst einen 22-jährigen Mann verfolgt, weil dieser einen 27 Jahre alten Kontrahenten mit einem Messer verletzt haben soll. Weil der Mann sich in das Auto der 21-jährigen Frau gesetzt hatte, forderten die Beamten die Fahrerin lautstark und unter Vorhalt der Schusswaffe auf, anzuhalten. Die Frau fuhr dennoch auf die Polizisten zu und verletzte dann den einen von ihnen. Trotz Quetschungen und Prellungen konnte er seinen Dienst fortsetzen.

Mann beisst und schlägt Beamte

Ein Mann hat in Fulda im Oktober 2016 zwei Polizisten mit Bissen und Faustschlägen verletzt. Die Beamten hatten versucht, den 52-Jährigen in seiner Wohnung zu befragen. Dieser weigerte sich erst, sie in die Wohnung zu lassen, und griff die beiden Männer anschließend mit den Fäusten an. Einem 44-jährigen Beamten schlug er ins Gesicht und biss ihn in den Unterarm. Sein 40-jähriger Kollege bekam Schürfwunden ab. Erst mit Verstärkung gelang es den Polizisten , den tobenden Mann in einen Streifenwagen zu verfrachten. Einer der Verletzten musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Polizeirevier: Mann attackiert Beamte

Nachdem ein Verdächtiger in Offenbach im April 2015 wegen Körperverletzung festgenommen wurde, attackierte er im Polizeirevier plötzlich Beamte. Ein Polizist zog daraufhin die Waffe, traf den Angreifer dreimal an Beinen und an einer Hand. Der 31-Jährige wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und dort stationär aufgenommen.

Passagier mit Spritze bedroht –  Polizisten bespuckt

Weil er die U-Bahn nicht verlassen wollte, hat ein Fahrgast in Frankfurt am frühen Donnerstagmorgen, 17. März 2015, in der B-Ebene der U-Bahn-Haltestelle Seckbacher Landstraße einen Polizeibeamten bespuckt. Der 32-Jährige saß in der U-Bahn in Richtung Bergen-Enkheim und bedrohte im Bereich Konstablerwache Fahrgäste in der Bahn mit einer Spritze bedroht. Daraufhin wurde er während der Fahrt vom Sicherheitsdienst der Verkehrsgesellschaft kontrolliert und der Bahn verwiesen. Da er dieser Aufforderung nicht nachkam, wurde die Polizei verständigt.
 
Auch die Streife sprach ihm einen Platzverweis aus, woraufhin der Mann einem der Beamten unvermittelt ins Gesicht spuckte. Gegen seine Festnahme wehrte er sich und versuchte, sich aus den Griffen der Beamten zu befreien, was ihm aber nicht gelang.

Zivilcourage bestraft: Polizist schwer verletzt

Drei Männer haben am Sonntagabend, 21. Februar 2015, im Frankfurter Bahnhofsviertel einen Polizisten und einen 32-Jährigen mit Tritten und Schlägen schwer verletzt. Passanten alarmierten am Sonntagabend die Polizei, die drei Verdächtige im Alter zwischen 20 und 23 Jahren festnahm, wie ein Polizeisprecher am Montag berichtete.

Der Beamte war in zivil auf dem Weg zur Hauptbahnhof-Südseite, als er im Bereich Stuttgarter Straße/Mannheimer Straße auf eine tätliche Auseinandersetzung zwischen vier Männern aufmerksam wurde. Hier attackierten drei Polen einen 32-jährigen gebürtigen Kasachen. Beim Versuch, die Situation zu beruhigen, wendeten sich die Angriffe zunächst von einem der Täter, kurz darauf von allen dreien, gegen den Polizeibeamten. Sie brachen ihm die Nase und fügten ihm mehre Platzwunden und Prellungen zu.

Reizgas-Attacke auf Polizistin

Vermutlich aus einem vorbeifahrenden Auto heraus wurde eine Polizistin am Freitagmorgen, 22. Januar 2015, Opfer eines Reizgas-Angriffes. Die 25-jährige Beamtin der Polizei Eschborn war zusammen mit ihrem Kollegen auf Einsatz in der Königsteiner Straße.

Als sie sich wieder in den Wagen setzte, stieg der Polizistin einen beißender Geruch in die Nase. Offenbar hatten Unbekannte in dem Moment, als sie sich in den Streifenwagen setzte, im Vorbeifahren das Reizgas in ihre Richtung gesprüht. Erst nach mehreren Stunden gingen die Reizungen ihrer Atemwege zurück.

Ausraster nach Unfallflucht

Am Donnerstag, 7. Januar 2015, wurden Beamte im osthessischen Eichenzell Opfer eines unkontrollierten Ausrasters, der tödlich hätte enden können. Sie waren wegen einer Unfallflucht im Einsatz, als sie auf einen aufmerksam wurden. Er verhielt sich verdächtig, die Beamten entschlossen, ihn zu kontrollieren.

Erst ergriff der 48-Jährige die Flucht, dann drehte er sich um, beleidigte die Beamten, schlug und trat auf sie ein. Schließlich zog er ein Taschenmesser und drohte, die Gesetzeshüter zu töten. Im Gerangel versuchte er sogar noch an eine der Dienstpistolen zu kommen. Die Beamten überwältigen den Mann schließlich.

Faustschlag ins Gesicht

Drei Männer im Alter von 23, 25 und 29 Jahren wurden am frühen Sonntagmorgen, 23. August, im Frankfurter Bahnhofsviertel festgenommen, nachdem sie Polizisten brutal angegriffen und verletzt hatten. Gegen 05.15 Uhr fiel der Fußstreife ein Mann auf, der gegen eine Hauswand urinierte. Er wollte seine Personalien nicht nennen und schlug dem Polizisten unvermittelt mit der Faust ins Gesicht.

Als er festgenommen werden sollte, griff der 29-jährige Mann die Beamten erneut an, unterstützt von mehreren Komplizen. In höchster Not forderten die Beamten Unterstützung an, dank derer schließlich alle Täter festgenommen werden konnten.

Randalierender Schwarzfahrer

Ein Fall, der an die Herborner Polizistentragödie erinnert, aber zum Glück glimpflicher ausging, ereignete sich am Sonntag, 4. Januar 2015, in einem Intercity-Zug zwischen Koblenz und Mainz. Ein betrunkener Schwarzfahrer verletzte bei einer Randale gleich drei Beamte.

Er hatte zunächst bei einer Kartenkontrolle einem mitfahrenden Polizisten ins Gesicht geschlagen, als der versuchte, ihn zu beruhigen. Der Beamte griff zum Pfefferspray, jedoch beeindruckte das den Randalierer nur kurz. Bei seiner Ankunft im Hauptbahnhof von Mainz verletzte er zwei Bundespolizisten leicht und wurde schließlich in eine Psychiatrie gebracht.

Polizisten krankenhausreif geschlagen

Im Krankenhaus endete ein Routineeinsatz für zwei Bundespolizisten am Sonntag, 18. Mai 2014, in Frankfurt. Sie wollten einen Mann festnehmen, der in einem Drogeriemarkt im Hauptbahnhof eine Getränkedose entwendet hatte. Doch der 30-jährige Niddataler wehrte sich mit aller Gewalt. Zuvor hatte der Ladendetektiv des Marktes den Mann beim Diebstahl beobachtet und zur Rede gestellt.

Schon da erwies sich der Täter als wüster Schläger. Als kurz darauf eine Streife der Bundespolizei eintraf, ließ er von dem Marktmitarbeiter ab und griff stattdessen die Beamten an. Bei dem anschließenden Handgemenge zogen sich die Beamten Schürfwunden und Prellungen zu. Erst in Handschellen gab der Wüterich Ruhe.

Beamte in Schulter gebissen

Gibt es neben kugelsicheren- auch bisssichere Westen? Die Polizei jedenfalls könnte welche gebrauchen. Denn die Meldungen, in denen sich Festgenommene buchstäblich bis auf die Zähne bewaffnen, nehmen zu. Am Mittwoch, 11. Juni 2014, konnte ein 41-jähriger Betrüger in Rödelheim zwar auf frischer Tat erwischt werden, schlug und biss dabei aber einen Beamten mehrfach in die Schulter.
 

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