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Ein Essay: Alles ist möglich, man muss es nur umsetzen

Sind wir wirklich so moralisch, wie wir es von uns denken? So zivilisiert und verantwortungsbewusst? Es ist definitiv Luft nach oben. Zeit, etwas zu ändern.

Das Spiel ist zu Ende. Die deutsche Eishockeyauswahl gewinnt das Olympia-Halbfinale mit 4:3 gegen den Favoriten Kanada. Die Spieler brechen in Jubel aus. Auch ZDF-Moderator Norbert Galeske bewertet die Situation optimistisch: „Jetzt ist alles möglich!“ Zwei Tage später fährt die DEB-Auswahl mit einer historischen Silbermedaille nach Hause. Die Sportwelt ist begeistert.

Wieso ich das erwähne? Weil es einmal mehr beweist, dass eine optimistische Einstellung Berge versetzen kann. Und dass es nicht immer der erste Platz sein muss, um sich an einer erbrachten Leistung zu erfreuen.

Leider habe ich oftmals das Gefühl, in unserer Gesellschaft eher von Pessimisten umgeben zu sein. Unterhält man sich über Weltprobleme, höre ich am Ende eines Gesprächs immer wieder den ernüchternden Satz: „Alleine kann ich sowieso nichts bewirken.“

Doch wieso denkt offensichtlich eine breite Masse genau in diese Richtung? Ich denke, es hat viel mit Bequemlichkeit zu tun. Denn wenn man sich erst einmal an einen Umstand gewöhnt hat, verliert er in kürzester Zeit seine mögliche Problematik. So wirkt ein Problem etwa durch den Fernseher oder eine Kamera betrachtet schnell unglaublich fern und nimmt dabei filmähnliche Züge an. Dieses Phänomen tritt immer wieder bei Unfällen auf: Alle gaffen, aber keiner möchte so wirklich helfen.

Sich aus der Beobachterrolle zu schälen ist anstrengend. Denn man übernimmt Verantwortung. Und das macht vielen Menschen Angst. Weil es doch so viel einfacher ist, abzuwarten, ob jemand anderes tätig wird. Diese Grundhaltung kann gefährlich werden, lehrt uns die Geschichte. Und dass man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut, verantwortlich ist, wusste schon der chinesische Philosoph Laotse.

Muss denn erst die Politik den Bürger maßregeln oder können vermeintlich mündige Menschen eigenständig über ihre Zukunft entscheiden? Hinter vielen politischen Entscheidungen stehen ein langwieriger Prozess und wirtschaftliche Interessen. Darauf möchte ich mich nicht verlassen. Denn es war noch nie einfacher, sich eine umfassende Meinung zu bilden, und sich mit Menschen rund um den Globus zu vernetzen. Informationen warten an jeder Ecke auf uns. Das Internet macht es möglich.

Außerdem hat das wirtschaftliche Prinzip der Nachfrage ein immenses Gewicht. Daher ist es durchaus von Relevanz, ob ich mich für oder gegen Plastikverpackungen oder Tierprodukte entscheide. Eben weil jeder Mensch als Verbraucher eine Rolle spielt. Als Individuum und als Teil eines Kollektivs. Es fängt bei jedem von uns an, nicht bei den anderen. Und das wissen wir. Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem: Wir wissen um die Auswirkungen unseres Konsums und unserer politischen Apathie und scheitern dennoch daran, etwas zu verändern.

Der Mensch schießt Raketen ins All, spaltet Atome und pflegt hocheffektive Agrarkulturen. Und dennoch schafft er es offensichtlich nicht, sich im Einklang mit seiner Umwelt und seinen Mitmenschen zu bewegen; zugunsten von politischen und wirtschaftlichen Systemen, die kommen und gehen. Die Natur hingegen bleibt, egal ob mit oder ohne Menschheit. Das sollten wir uns vor Augen halten. Sie ist unsere Lebensgrundlage. Geld kann man schließlich nicht essen.

Und wer weiß: Vielleicht feiern wir eines Tages den Ausbruch des Weltfriedens in einer gerechten und nachhaltigen Welt? Die Ideen dafür sind auf jeden Fall im Raum. Und bis dahin begnüge ich mich damit, meinen Teil dazu beizutragen. Denn alles ist möglich, wenn der Wille da ist. Der Sport zeigt es immer wieder.

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