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Fernsehen: Die Samstagabendshows funktionieren heute nicht mehr - Netflix und Co sind unschuldig

Samstagabend. Viertel nach acht. Das bedeutet: Die Familie platziert sich mit Chips und gemütlichen Klamotten vor dem Fernseher. Große Shows wie „Wetten, dass..?“ oder „Dalli dalli“ stehen auf dem Programm. So war das jedenfalls früher.
Samstagabends macht heute jeder sein Ding. Das Lagerfeuer der Nation hat ausgedient. Zeichnung, Collage: Jana Schreiner und Rebekka Tzschirntsch Samstagabends macht heute jeder sein Ding. Das Lagerfeuer der Nation hat ausgedient. Zeichnung, Collage: Jana Schreiner und Rebekka Tzschirntsch

Spätestens seit dem Ende der Legende „Wetten, dass..?“ ist diese Zeit vorbei. Im Zeitalter der unbegrenzten Möglichkeiten geht jeder lieber den eigenen Interessen nach. Der Sohn verbarrikadiert sich in seinem Zimmer vor dem Computer, um die Nacht durchzuzocken. Die Tochter verschanzt sich hinter dem PC, um die neue Serie auf Netflix zu sichten. Die Mutter zieht sich auf dem Sofa eine Schnulze rein. Und der Vater schaut sich auf Sky noch die letzten Sportberichte an. Doch was ist aus der Samstagabendshow geworden? Sind Internet und Streamingdienste zur Gefahr für gemütliche Fernsehabende geworden? Wenn wir Samstagabend mal in das Programm reinschauen, sehen wir, dass die großen Shows nicht ausgestorben sind. Moderatoren wie Barbara Schöneberger („die 2 – Gottschalk und Jauch gegen alle“), Joko und Klaas („Das Duell um die Welt“), Kai Pflaume („Klein gegen Groß?) und Guido Cantz („Verstehen Sie Spaß…?“) versuchen sich an dem großen Show-Entertainment für die ganze Familie.

Jede Show unterscheidet sich von der anderen. RTL setzt mit Barbara Schöneberger, Thomas Gottschalk und Günther Jauch auf bekannte Namen mit kleinen Spielen und Quizfragen. Joko und Klaas von ProSieben möchten die jüngere Zielgruppe erreichen und leisten sich gerne Duelle der Superlative.

Die breiteste Zielgruppe erreicht wahrscheinlich noch das Erste. Bei „Klein gegen Groß“ und „Verstehen Sie Spaß ..?“ sind jeweils mehrere Promis am Start. Diese müssen sich einmal gegen besonders talentierte Kinder behaupten oder lassen sich von Guido Cantz persönlich reinlegen. Doch obwohl alle Shows sich nach großem Entertainment anhören, können die Sender von den ganz hohen Quoten nur noch träumen. Doch daran Schuld sind nicht nur Streamingdienste, Pay-TV und das Internet. Denn das, was früher ein großer Erfolg war, funktioniert heute nicht mehr.

Als gutes Beispiel zeigt sich „Wetten, dass..?“. In den 80er und 90er Jahren galt die Show als das große Familien-Entertainment. Später wurde sie immer wieder wegen akuter Langeweile und überzogener Zeiten kritisiert. Damals war man froh, wenn man mal ein paar Minuten den Fernseher verlassen konnte, ohne viel zu verpassen. Heute fordert das Publikum eher eine Art „Dauer-Entertainment“.

Seit dem Ende von „Wetten, dass..?“ sucht das ZDF händeringend nach einer neuen erfolgreichen Show. Doch die Ideen fehlen einfach.

Dringend bräuchte es wieder einen populären Moderator, der mit ein bisschen Brainstorming im Handumdrehen eine riesige Show kreieren kann, so wie beispielsweise Frank Elstner das konnte. Oder auch einen Moderator, der authentisch und mit viel Nähe am Publikum durch seine Show führt.

Denn auch das zeigt „Wetten, dass..?“: Eine gute Show steht und fällt mit dem Moderator. So konnte Thomas Gottschalk lange Jahre einen großen Erfolg verzeichnen. Unter Markus Lanz erntete die Show jedoch nur noch Kritik. Ihm fehlte schlichtweg das gewisse Etwas, die Leichtigkeit und die Persönlichkeit, um so eine riesige Show moderieren zu können.

Trotz allem: Die Fernsehsender halten an der Samstagabendshow fest. Obwohl der ZDF-Krimi regelmäßig an der Quotenspitze steht und obwohl es kaum noch Familien gibt, die den Samstagabend gemeinsam am Lagerfeuer der Nation – vor dem Fernseher – verbringen.

Stattdessen hat sich der Charakter der Shows geändert. Statt auf seichte und günstige Unterhaltung zu setzen, sind die Shows viel teurer und aufwendiger geworden.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Fernsehshow „Joko gegen Klaas – das Duell um die Welt“. In dieser schickt das Moderatorenduo den jeweils anderen auf eine Reise in die verschiedensten Länder, um dort die abgefahrensten, teilweise lebensgefährlichen Aufgaben zu erledigen. Gewonnen hat derjenige, der die meisten Challenges bewältigt und zusätzlich noch möglichst viele Punkte bei den Studiospielen sammelt. Diese Sendung feiert vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Erfolg.

Was uns aus dem Zeitalter des Familien-Entertainments geblieben ist, sind der Spaß an Duellen, das Mitwirken des Publikums und viel Prominenz im Studio. Diese sollten sich möglichst blamieren oder ausgefallene Aufgaben erfüllen, um den Unterhaltungsfaktor zu steigern.

Die Quoten sind niedriger als noch vor zehn, zwanzig Jahren. Und trotzdem steht die Samstagabendshow keinesfalls vor dem Ende. Denn sie bietet Dinge, die uns kein Film, keine Serie und kein Youtube bieten kann: Durch die Samstagabendshow können wir mitfiebern, lachen und selbst an dem Geschehen teilhaben.

Und wir wissen, dass die Handlung nicht von einem Drehbuchautor vorgeschrieben wurde, sondern, dass alles willkürlich passiert. Und wer weiß . . . vielleicht kommt bald wieder ein Redakteur oder ein Moderator mit der brennenden Idee für eine riesige Show, die uns alle wieder vor dem Fernseher versammeln lässt.

Heute Abend sehen Sie übrigens „Deutschland sucht den Superstar“ auf RTL oder „Das Ding des Jahres“ auf ProSieben.

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