Am Ende bleibt nur einer übrig

Die ersten Plakate sind in den Straßen zu sehen. Kein Zweifel: Der OB-Wahlkampf hat begonnen. Sieben Bewerber treten voraussichtlich an, noch bis zum 5. Januar können Kandidaten beim Wahlamt gemeldet werden. Aber am Ende wird nur ein Name auf dem Wahlzettel stehen, vermutet FNP-Redakteur Günter Murr in seinem nicht (ganz) ernst gemeinten Ausblick auf den Wahlkampf.
Welcher Kandidat startet durch? Das Thema Fluglärm könnte dazu führen, dass Boris Rhein nicht zündet... Karikatur: Jürgen Janson Bilder > Welcher Kandidat startet durch? Das Thema Fluglärm könnte dazu führen, dass Boris Rhein nicht zündet... Karikatur: Jürgen Janson

Das Wahlamt teilt mit, dass sechs Kandidaten zur Oberbürgermeister-Wahl am 11. März antreten. Sechs? Nachdem die Freien Wähler ihren Kandidaten zurückgezogen hatten, waren doch noch sieben Bewerber im Gespräch. Es stellt sich heraus, dass die SPD keinen Kandidaten gemeldet hat. Parteichef Gernot Grumbach weist jede Schuld von sich. Michael Paris, der im Mitgliederentscheid um die OB-Kandidatur Peter Feldmann unterlegen ist, habe angeboten, die Unterlagen zum Wahlamt zu bringen. Erst auf beharrliche Nachfragen gibt Paris zu, dass er auf dem Weg dahin ein paar Bekannte getroffen habe und mit ihnen in eine Kneipe gegangen sei. Und dann sei plötzlich die Frist am 5. Januar um 18 Uhr abgelaufen . . .

9. Januar: Der "Spiegel" berichtet, dass Boris Rhein, Innenminister und OB-Kandidat der CDU, in Drogen- und Prostitutions-Geschäfte des Rockerclubs "Bandidos" verwickelt sei. Rhein bezeichnet die Vorwürfe als "absurd", schließlich kenne er die "Bandidos" nur dienstlich. Janine Wissler, OB-Kandidatin der Linken, fordert vergeblich Rheins Rücktritt als Minister und OB-Kandidat.

Computer-Hacker kapern die Facebook-Identität von Herbert Förster, OB-Kandidat der Piratenpartei, und geben über das soziale Netzwerk dessen Rückzug aus der Politik bekannt. Als der echte Förster versichert, dass das gar nicht stimme, glaubt ihm niemand.

Es sind nur noch fünf Kandidaten im Rennen. Rhein verbietet die "Bandidos".

23. Januar: Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff nominieren die Grünen Rosemarie Heilig als Kandidatin für das höchste Staatsamt. "Die kandidiert überall, wenn man sie fragt", sagen Parteifreunde über die 55-Jährige, die zuvor Umweltdezernentin und Oberbürgermeisterin werden wollte.

Vier Kandidaten bleiben übrig. Wissler fordert erneut den Rücktritt Rheins.

Es wird bekannt, dass Ursula Fechter, Kandidatin der Flughafenausbaugegner, ihren letzten Urlaub auf den Malediven verbracht hat. Obwohl sie versichert, sie sei mit einer leisen Maschine geflogen und habe bei der Rückkehr die neue Landebahn am Flughafen nicht benutzt, muss sie aufgeben.

Da waren‘s nur noch drei . . . Rhein lässt Mitglieder der "Bandidos" öffentlich auspeitschen.

27. Februar: Ein auf YouTube veröffentlichtes Video zeigt, wie die OB-Kandidatin der Linken, Janine Wissler, auf einer Demonstration für die Enteignung von Porschefahrern und Rolexträgern einen Polizisten mit einer roten Fahne schlägt. Innenminister Rhein lässt Wissler sofort verhaften. Bei politischen Gewalttätern gebe es "null Toleranz", sagt er.

Neben Rhein steht jetzt nur noch Oliver Maria Schmitt ("Die Partei") zur Wahl – ein richtiges Duell ist zu erwarten. Nach dem missglückten Versuch, Rhein in den Main zu werfen, entkommt Schmitt unerkannt. Wissler fordert den Rücktritt Rheins, wird im Gefängnis aber nicht gehört.

Der "Spiegel" berichtet, dass nicht Boris Rhein, sondern ein gewisser "Boris Reiner" mit den "Bandidos" in Verbindung stehe. Aber es ist zu spät. Am vorangegangenen Wochenende bestellt Petra Roth ihren potenziellen Nachfolger in ihr Haus in Nieder-Erlenbach und macht ihm bei Kaminfeuer und einem Glas Mineralwasser deutlich, dass er für die CDU nicht länger tragbar sei. Rhein sträubt sich zuerst, tritt dann aber von allen Ämtern zurück und erklärt, er werde "vorerst" in die USA auswandern.

11. März: Der einzige verbliebene OB-Kandidat Oliver Maria Schmitt wird mit 50,01 Prozent der Stimmen gewählt und hat damit sein Wahlziel erreicht. FDP-Chef Dirk Pfeil fordert einen Intelligenztest für Wähler. Als erste Amtshandlung bricht Schmitt sein Wahlversprechen, Freunde und Verwandte in lukrative Ämter zu hieven. Stattdessen ernennt er Peter Feldmann zu seinem persönlichen Referenten. Mit diesem Akt der Barmherzigkeit wolle er beweisen, dass er tatsächlich der "Oberbürgermeister der Herzen" sei, sagt Schmitt bei seiner ersten Ansprache auf dem Römer-Balkon. Das Volk jubelt. Petra Roth weigert sich, den Schlüssel zu ihrem Dienstzimmer herauszurücken . . .

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