Auf in die nächste Runde

Grenzenloser Jubel bei der SPD, lange Gesichter bei den Grünen, Zuversicht bei der CDU: Die gestrige Oberbürgermeister-Wahl brachte einige Überraschungen. Jetzt blicken die Parteien gespannt auf die Stichwahl in zwei Wochen. Das Rennen ist offen.
Boris Rhein (l.) und Peter Feldmann (r.) müssen in zwei Wochen zur Stichwahl antreten.	Foto: Weis Bilder > Boris Rhein (l.) und Peter Feldmann (r.) müssen in zwei Wochen zur Stichwahl antreten. Foto: Weis

Das hat es lange nicht gegeben in Frankfurt: Lachende Gesichter bei Sozialdemokraten an einem Wahlabend. Denn auf kommunaler Ebene hat die SPD in den vergangenen Jahren eine Niederlage nach der anderen eingefahren. Die 33 Prozent, die ihr OB-Kandidat Peter Feldmann eingefahren hat, tun der geschundenen Parteiseele gut. "Das war nur die erste Runde", gibt sich Parteichef Gernot Grumbach kampfeslustig. 6,1 Prozentpunkte Rückstand auf Boris Rhein – das sei aufzuholen, meint er.

Ungewohnt ist auch das Bild auf dem Stadtplan, der im Wahlzentrum im Römer an die Wand projiziert wird. Dort leuchten zunächst nur schwarze und rote Punkte auf. Das bedeutet, dass in den jeweiligen Wahlbezirken Boris Rhein oder Peter Feldmann die meisten Stimmen haben. Die Farbe grün fehlt an diesem Abend völlig. Grünen-Kandidatin Rosemarie Heilig, deren Partei vor einem Jahr bei der Kommunalwahl noch zweitstärkste Kraft wurde, liegt in keinem einzigen Stadtteil vorne. Feldmann hat selbst die Grünen-Hochburgen Nordend und Bornheim im Sturm erobert. Rhein war in den traditionellen CDU-Hochburgen stark, erreichte in einigen Stadtteilen sogar die absolute Mehrheit.

Hier können Sie eine Excel-Datei mit den Ergebnissen aus allen Wahlbezirken herunterladen.

Später kommen auf der Stadtkarte ein paar gelbe Punkte hinzu. Sie stehen für Ursula Fechter, die Kandidatin der Flughafenausbaugegner, die in ein paar Wahllokalen in Sachsenhausen die meisten Stimmen erzielt hat. Mit 28,1 Prozent der Stimmen kommt sie in Sachsenhausen-Süd auf den zweiten Platz hinter Rhein. Aber das Thema Fluglärm, das im Wahlkampf eine so große Rolle gespielt hat, zieht nördlich des Mains offenbar schon nicht mehr. Stadtweit reicht es für Fechter nur für vier Prozent. "Das Thema Fluglärm ist damit für uns durch", meint der CDU-Stadtverordnete Stephan Siegler.

Die Grünen konnten von der Fluglärmdebatte offenbar gar nicht profitieren. 14 Prozent für Heilig – es war gestern vielen Parteimitgliedern anzusehen, dass dieses Ergebnis für sie enttäuschend ist. Für den politischen Gegner hingegen ist es eine Genugtuung. "Der Höhenflug der Grünen ist beendet", konstatiert Volker Stein, stellvertretender Kreisvorsitzender der an Abstürze gewöhnten FDP. "Jetzt kehrt Normalität ein." Grünen-Vorstandssprecher Omid Nouripour versucht die Niederlage zu erklären: Es sei zu wenig Zeit gewesen, die Kandidatin Rosemarie Heilig bekannt zu machen, die Medien hätten sich auf Rhein und Feldmann konzentriert, und außerdem sei der Bundestrend gerade gegen die Grünen. Sie sei deshalb nicht enttäuscht, auch wenn sie sich mehr erwartet habe, sagt Heilig.

Bei der CDU ist man nur kurzzeitig überrascht vom unerwartet guten Abschneiden Feldmanns. Dann besinnt man sich auf die eigene Stärke. Schließlich habe Rhein mit 39,1 Prozent der Stimmen deutlich besser abgeschnitten als die CDU bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr (30,5 Prozent). Allerdings: Um die Stichwahl zu gewinnen, muss Rhein noch mal zulegen. Nach Ansicht der SPD wird ihm das schwerfallen. Er habe das bürgerliche Wählerpotenzial bereits ausgeschöpft, argumentieren die Sozialdemokraten. Feldmann hingegen könne Stimmen aus dem linken Spektrum hinzugewinnen.

In einem Punkt sind sich CDU und SPD einig: Entscheidend wird das Verhalten der Grünen-Wähler sein. Die will die CDU zu Rhein-Wählern machen. "Ich setze darauf, dass sie die richtigen Schlussfolgerungen ziehen", sagt der CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker. Nur mit Boris Rhein als Oberbürgermeister könne die erfolgreiche Arbeit der schwarz-grünen Koalition fortgesetzt werden. Feldmann hingegen sieht die Grünen-Wähler ganz gut bei ihm aufgehoben: "Ich stehe für eine ökologische Erneuerung der Stadt."

Eine Wahlempfehlung wird es von den Grünen nicht geben – offiziell zumindest nicht. Doch Politiker wie Verkehrsdezernent Stefan Majer geben unumwunden zu, dass sie von einem Oberbürgermeister Peter Feldmann gar nichts halten.

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