Bei der CDU gucken sogar die Primeln traurig

Von Für die CDU war es die Nacht der langen Gesichter: Gefangen im 40-Prozent-Ghetto erlitt ihr Oberbürgermeisterkandidat Boris Rhein in der Stichwahl eine bittere Niederlage.
Ein fairer Verlierer: Der unterlegene Boris Rhein (rechts) gratuliert Peter Feldmann. Ein fairer Verlierer: Der unterlegene Boris Rhein (rechts) gratuliert Peter Feldmann.

Für die CDU war es die Nacht der langen Gesichter: Gefangen im 40-Prozent-Ghetto erlitt ihr Oberbürgermeisterkandidat Boris Rhein in der Stichwahl eine bittere Niederlage.

Es ist 18.10 Uhr und nur wenige Mandatsträger der CDU haben sich in der Wandelhalle des Römers, wo die Porträts früherer Oberbürgermeister hängen, eingefunden. Es sind mehr Journalisten da als Politiker. Ein CDU-Mann nennt den Grund, warum die Parteifreunde fehlen: "Die haben Angst." Die Angst der CDU steigert sich bei einigen bis zum Entsetzen, als die ersten Wahlbezirke ausgezählt sind und der SPD-Kandidat Peter Feldmann fast überall vorne liegt und von Beginn an einen deutlichen Vorsprung hat.

Stadtverordnetenvorsteherin Bernadette Weyland (CDU) hat das Unheil für ihre Partei schon vor 14 Tagen kommen sehen: Als bei der Hauptwahl der SPD-Bewerber Peter Feldmann überraschend 33 Prozent erreichte, sagte sie erschrocken: "Das war’s dann wohl." Rhein kann in der Stichwahl nur wenig zulegen, verharrte bei gut 40 Prozent, während Feldmann nahezu alle Stimmen der Nicht-Rhein-Wähler des ersten Wahlgangs auf sich vereinigen kann.

Entsetzte Gesichter

Als sich die Ergebnisse für Peter Feldmann nach einem Drittel der ausgezählten Wahlbezirke immer mehr stabilisieren, wissen die Profis, dass das Rennen gelaufen ist. Die Gesichter sind enttäuscht und entsetzt. Die frühere Landtagsabgeordnete Gudrun Osterburg (CDU) deutet auf einen Topf mit gelben Primeln neben dem Portal des Kaisersaals und sagt: "Da gucken sogar die Primeln traurig." Vermutlich stammen die Blumen noch von der Verabschiedung von Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Grüne) vom 15. März. "Wer hätte gedacht, dass sich das so entwickelt mit dem Flughafen", nennt Osterburg einen Grund für Rheins Scheitern. Und sagt dann sarkastisch über die Fluglärmgegner: "Jetzt kriegen sie die Landebahn und den Feldmann."

Mehr Profil nötig

Die Landtagsabgeordnete Bettina Wiesmann (CDU) vermutet die Ursache für die Niederlage: "Das Bauchgefühl hat den Leuten offenbar vorgegaukelt, dass irgendwo weiter links die Welt noch besser ist." Wiesmanns Parteifreund und Landtagskollege Norbert Bartel betont, dass es nicht am Kandidaten Boris Rhein gelegen habe. Allgemeine Stimmungen seien der Grund für die Niederlage und Bartelt fügt hinzu: "Wir müssen wieder mehr Profil gewinnen."

Fröhlich und nichts Böses ahnend kommt die Stadtverordnete Albina Nazarenus-Vetter (CDU) die Treppe herauf. Es dauert eine Weile, bis sie begreift, was die Zahlen auf der Leinwand bedeuten. Da entfährt ihr ein Wort, das mit "Sch" beginnt und mit "e" endet.

Zehn Minuten vor 19 Uhr treten der CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker, Rhein, Ministerpräsident Volker Bouffier und Oberbürgermeisterin Petra Roth vor die Kameras. Ihre Mienen sind versteinert, nur Rhein lächelt tapfer, obwohl es nichts mehr zu lächeln, geschweige denn zum Lachen gibt. Die Stimmen von Rhein, Roth, Becker und Bouffier sind in der Stunde der Niederlage so leise, dass sie unter dem Klicken der Fotoapparate kaum zu hören sind.

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