Der Einigkeitsparteitag der CDU

Harmonie und Frieden – hätte die Frankfurter CDU nicht schon einen Wahlslogan ("Frankfurt verpflichtet"), dann wären die beiden Schlagworte die richtigen für die Kampagne. Gebetsmühlenartig schworen die CDU-Granden den Kreisparteitag am Wochenende auf Einigkeit ein.
Glückwünsche vom Vorgänger Boris Rhein (Mitte). Auch Oberbürgermeisterin Petra Roth gratuliert Uwe Becker. Glückwünsche vom Vorgänger Boris Rhein (Mitte). Auch Oberbürgermeisterin Petra Roth gratuliert Uwe Becker.

Nur keine Flügelkämpfe bitte. Die Nachricht kam an – Kämmerer Uwe Becker wurde mit 96 Prozent zum neuen Vorsitzenden gewählt. Die Stimmung im Höchster Bikuz ist aufgeräumt, ja heiter. Oberbürgermeisterin Petra Roth hat im November 2011 ihr politisches Erbe geregelt, Rhein der Partei als OB-Kandidaten empfohlen und Becker als neuen Kreisvorsitzenden. Teil 1 der Abmachung ist schon von einem Parteitag im Dezember bestätigt worden, Teil 2 war am Wochenende an der Reihe. An den Wänden des Saales hängen die Motive aus Boris Rheins OB-Wahlkampf, auf den Tischen liegen Kugelschreiber und Luftballons. Trotz des mageren Wahlergebnisses bei der Kommunalwahl 2011 ist die CDU im Römer stärkste Kraft im Magistrat und in der Stadtverordnetenversammlung. Sie hat alle sechs Direktmandate für den Landtag und die beiden Direktmandate zum Bundestag inne. Für Rhein ist es die Gelegenheit, "sich mal selbst auf die Schulter zu klopfen". Dazu gehört die Ehrung verdienter langjähriger Parteimitglieder, die wie der ehemalige Stadtverordnetenvorsteher Karlheinz Bührmann jahrzehntelang an der Spitze eines Stadtbezirksverbandes standen. Lob, Preis und Dank ist der Dreiklang, dem sich dieser Parteitag verpflichtet fühlt.

Wechsel in Freundschaft

Bei dem "ganz normalen Wechsel in der CDU-Führung, der in Freundschaft und Einigkeit stattfindet", wie Rhein sagt, schlägt er Becker als seinen Nachfolger vor, denn: "Becker weiß, wie die CDU tickt, er hat ein Gefühl für die Menschen."

Oberbürgermeisterin Petra Roth lässt es sich nicht nehmen, den Delegierten Becker für das Amt des Kreisvorsitzenden ans Herz zu legen. Dabei leidet sie hörbar an einer Erkältung, bei der sie jeder deutsche Arzt eine Woche krank schreiben würde. Obwohl Versammlungsleiter Heinz Riesenhuber deshalb ihrer Stimme "ein leicht sinnliches Timbre" bescheinigt, fasst sich die OB kurz. Sie spricht nur fünf Minuten, ermahnt die Delegierten, dass der Wahlbürger ein großes Gespür für Geschlossenheit habe, und wirbt für Becker, der nicht nur Kassenwart, sondern auch Finanzstratege sei.

Becker hält eine programmatische Rede. Er spricht frei, deutlich, und formuliert Ansprüche: Die CDU müsse wieder in die Zielmarke von 40 Prozent hineinmarschieren. Dazu müsse man mehr Christdemokratie wagen. "Als CDU sind wir nicht die Summe täglicher Einzelentscheidungen, sondern wir bestimmen, wie wir als Gesellschaft zusammenleben wollen", betont Becker. Die Fundamente dafür seien das christlich-jüdische Menschenbild, die Bewahrung der Schöpfung und der Schutz des Lebens.

Abgrenzung von den Grünen

Der 42-Jährige grenzt seine Partei "von den staatsdirigistischen Grünen" ab. Die CDU setze auf Eigenverantwortung. Auch der OB-Kandidat der SPD, Peter Feldmann, kriegt sein Fett weg: "Kinderarmut bekämpfe ich nicht, indem ich Kindern Billy-Regale aufbauen lasse, sondern indem ich für die Arbeitsplätze ihrer Eltern sorge", sagt Becker in Anspielung auf ein Wahlplakat Feldmanns. Die SPD, sagt Becker, versauere in ihrem eigenen Apparat, "da helfen auch die Casting-Show nichts, in denen sich Gernot Grumbach zu Dieter Bohlen aufschwingt". Damit trifft Becker den richtigen Ton: Am Ende seiner 35-minütigen Rede springt das Parteitagspodium auf. Die OB signalisiert mit einem strengen Blick den Delegierten im Saal, dass sie dem Beispiel folgen sollen. Es liegt aber nicht nur an der Regieanweisung, dass Becker mit Ovationen gefeiert wird.tre

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