Feldmann mischt den Römer auf

Von Schock für die schwarz-grüne Koalition im Römer: Sie muss künftig mit einem Oberbürgermeister von der SPD zusammenarbeiten. Nach dem Sieg von Peter Feldmann wird jetzt über die Konsequenzen für die Kommunalpolitik diskutiert.
Jubelnd in den Römer: Peter Feldmann (SPD) (Foto: dpa) Jubelnd in den Römer: Peter Feldmann (SPD) (Foto: dpa)

Damit hatte niemand gerechnet. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Peter Feldmann (SPD) und Boris Rhein (CDU) hatten die meisten Beobachter vorhergesagt. Doch dass der SPD-Kandidat den CDU-Bewerber um Längen schlägt, das hatte keiner auf der Rechnung. Vor allem bei der CDU ist das Entsetzen am Wahlabend groß: "Ach du meine Güte", entfährt es einem Stadtverordneten, als im Römer die ersten Ergebnisse aus den Wahllokalen an die Wand geworfen wurden. Von Anfang an hat Feldmann einen komfortablen Vorsprung vor Rhein, der im Laufe des Abends nur minimal schrumpft. Am Ende wird deutlich: Rhein konnte gegenüber dem ersten Wahlgang vor zwei Wochen kaum Stimmen hinzugewinnen. Die Wähler von Grünen, Linken, Flughafenausbaugegnern und Piraten scheinen überwiegend für Feldmann gestimmt zu haben. "Das ist bitter für die CDU", zeigt sich der CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker zerknirscht.

Durchhalteparolen

Während die SPD jubelt und den neuen Oberbürgermeister feiert, verbreiten CDU und Grüne Durchhalteparolen: Die schwarz-grüne Koalition stehe nicht in Frage und werde wie bisher weitermachen, versichern sowohl Becker als auch Grünen-Fraktionschef Manuel Stock. Wobei die SPD bereits deutlich macht, dass sie der Regierungsmehrheit das Leben schwer machen wird: "Das Wahlergebnis ist ein klares Votum gegen die bisherige Politik der Koalition", sagt SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling. Und der Stadtverordnete Roger Podstatny sagt: "Es wäre eine kluge Entscheidung, die SPD in einem vernünftigen Maß einzubinden."

Daran denken CDU und Grüne derzeit nicht, eine Erweiterung der Koalition auf ein Dreierbündnis gilt als unwahrscheinlich. Auffallend ist allerdings: Führende Politiker von CDU und Grünen, die vor der Wahl kein gutes Haar an Feldmann gelassen haben, geben sich betont konstruktiv. "Es gebührt sich, ihm eine faire Chance zu geben", sagt Olaf Cunitz (Grüne), der als Bürgermeister künftig Feldmanns Stellvertreter sein wird. "Er muss jetzt beweisen, dass er mehr kann, als er bisher gezeigt hat." Es gehe nun darum, gemeinsam voranzukommen. An politischen Spielchen könne niemand Interesse haben. Und der CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker sagt: "Wir hoffen, dass es zum Wohle der Stadt zu einer guten Zusammenarbeit kommt." SPD-Parteichef Gernot Grumbach zeigt sich kooperativ: "Feldmann wird den Dezernenten von CDU und Grünen ein ordentliches Arbeitsangebot machen."

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Erinnerung an 1995

Viele erinnern an diesem Abend an 1995, als Petra Roth erstmals zur Oberbürgermeisterin gewählt wurde – mit einem Überraschungssieg gegen Amtsinhaber Andreas von Schoeler. Auch ihr sei das Amt nicht zugetraut worden, auch sie habe keine Mehrheit im Magistrat gehabt – doch sie sei im Lauf der Jahre mit dem Amt gewachsen.

Boris Rhein zeigt sich nicht besonders zerknirscht angesichts der Niederlage, verliert auch an dem für ihn so desaströsen Abend nicht das typische Lächeln. "So ist eben Politik", sagt er. Vorzuwerfen habe er sich nichts, er haben einen engagierten Wahlkampf geführt. Auf der Suche nach Gründen für die Niederlage ist die CDU ratlos. Rhein führt das Fluglärm-Thema an, andere beklagen die mangelnde Mobilisierung der Wähler. "Es wurde die CDU insgesamt abgestraft", analysiert die Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach. Viele Wähler seien enttäuscht von der Partei und deshalb nicht zu Wahl gegangen. Steinbachs Rezept lautet: Mehr konservatives Profil. Auch deshalb habe sie den "Berliner Kreis" in der CDU gegründet. Anders beurteilt Petra Roth das Ergebnis: Es handle sich um eine Personen- und nicht um eine Parteienwahl.

Die Diskussion, ob Boris Rhein der richtige Kandidat war, will in der CDU an diesem Abend noch niemand führen. Dafür kommt die Analyse vom Gegner: "Rhein war der falsche Kandidat für die CDU", sagte SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling. "Mit Uwe Becker wäre das nicht passiert." Fast klingt es so, als bedanke er sich bei der CDU, dass sie der SPD eine unverhoffte Siegchance eröffnet hat.

Zur Startseite Mehr aus Themen von A bis Z

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen