Frankfurt: Feldmann schafft die Sensation

Von Mit einem unerwartet hohen Vorsprung ist Peter Feldmann gestern zum neuen Oberbürgermeister von Frankfurt gewählt worden. Der Sozialdemokrat erhielt in der Stichwahl 57,4 Prozent der Stimmen, der CDU-Kandidat Boris Rhein kam auf 42,6 Prozent.
Daumen hoch: Peter Feldmann jubelt über seinen Erfolg.	Foto: Martin Weis Daumen hoch: Peter Feldmann jubelt über seinen Erfolg. Foto: Martin Weis

Große Enttäuschung bei der CDU: 17 Jahre stellte die Partei mit Petra Roth die Oberbürgermeisterin in Hessens größter Stadt. Jetzt muss sie das Amt an die SPD abtreten. Der CDU-Kandidat, Hessens Innenminister Boris Rhein, hat eine verheerende Niederlage erlitten. Die SPD hingegen, die zuletzt nur noch drittstärkste Kraft im Stadtparlament wurde, sieht sich wieder auf der Siegerstraße. Peter Feldmanns Erfolg in Frankfurt ist für SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem Machtwechsel bei der Landtagswahl im nächsten Jahr. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte Rhein 39,1 Prozent der Stimmen erzielt und war damit noch deutlich vor Feldmann gelegen, der auf 33 Prozent kam.

Er habe nicht mit dem Erfolg gerechnet, sagte Feldmann dieser Zeitung. Bereits heute Abend werde er ein erstes Programm entwerfen. Feldmanns Schwerpunkte im Wahlkampf waren die Bekämpfung der Kinderarmut, Bildungs- und Wohnungspolitik. Als Oberbürgermeister muss er in Frankfurt mit einer schwarz-grünen Mehrheit in Magistrat und Stadtparlament regieren. Vertreter von CDU und Grünen machten gestern Abend deutlich, dass die Koalition fortgeführt werden soll. Die nächste Kommunalwahl ist erst in vier Jahren.

SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling hingegen wertete das Wahlergebnis als "Votum gegen die schwarz-grüne Politik". Der Frankfurter SPD-Chef Gernot Grumbach führte den Sieg Feldmanns auch auf die Schwäche Rheins zurück. "Ein Kandidat ohne Inhalte – das geht in Frankfurt nicht." Feldmann hingegen habe gezeigt, dass er für ein soziales und weltoffenes Frankfurt stehe.

Rhein zeigte sich von der Höhe der Niederlage überrascht. "Es war ein Schlag aus heiterem Himmel." Er habe sich aber nichts vorzuwerfen. "Wir haben den richtigen Wahlkampf geführt." Entscheidend seien am Ende aber Themen wie der Fluglärm durch die neue Landebahn am Flughafen gewesen. Die Flughafenausbaugegner hatten sich kurz vor der Stichwahl für Feldmann ausgesprochen. Der CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker, der selbst Interesse an einer OB-Kandidatur hatte, stellte sich hinter Rhein. "Wir hätten uns keinen besseren Kandidaten wünschen können." OB Roth wertete das Ergebnis nicht als Niederlage für die CDU. "Es ist eine Personenwahl und keine Parteienwahl", sagte sie.

Die FDP, die Rheins Kandidatur von Anfang an unterstützt hatte, gab den Grünen eine Mitschuld an der Niederlage. "Es ist schon bezeichnend, wenn nicht einmal der Koalitionspartner den CDU-Kandidaten unterstützt", sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Schnurr. Die Grünen, deren Kandidatin im ersten Wahlgang auf 14 Prozent der Stimmen kam, hatten keine Wahlempfehlung ausgesprochen. Feldmann übernimmt das Amt am 1. Juli. Die Wahl war nötig geworden, weil die amtierende Oberbürgermeisterin Roth, die bis 2013 gewählt war, vorzeitig in den Ruhestand geht. Hintergrund Seite 3,

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