Jubelstimmung bei der SPD

Die SPD schwebt im siebten Himmel. Politisch gesehen. Ihr Kandidat Peter Feldmann sieht nach seinem überraschenden Ergebnis bei der gestrigen Oberbürgermeisterwahl eine echte Chance, in den Römer einzuziehen.
So sehen Sieger aus: SPD-Kandidat Peter Feldmann streckt den Daumen hoch.	Fotos: Christes (3) Bilder > So sehen Sieger aus: SPD-Kandidat Peter Feldmann streckt den Daumen hoch. Fotos: Christes (3)

"Nee", entgegnete der hessische SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel am Wochenende auf die Frage, ob er am Sonntagabend zur Wahl in Frankfurt wäre. "Der Sonntagabend gehört meiner Frau und dem Tatort."

Einen Krimi hätte er allerdings auch in Frankfurt erleben können. Einen Wahlkrimi. Die SPD um ihren Kandidaten Peter Feldmann geriet förmlich aus dem Häuschen, als der Mann aus Bonames die 30-Prozent-Marke übersprang.

Keiner hat das erwartet

"Unglaublich", sagte ein SPD-Grande, "damit hatte noch vor zwei Tagen niemand gerechnet." 25 Prozent hatten sie "ihrem Peter" eingeräumt. Und damit wären sie alle zufrieden gewesen. Dass es am Ende 33 Prozent für den dem linken Parteiflügel zugehörigen Feldmann geworden sind, lässt die Anhänger himmelhoch jauchzen.

Wahnsinn lautete das meist zitierteste Wort zur Jubelfeier beim Italiener gegenüber dem Dom. Die Displays der Smartphones wurden ungläubig gecheckt, bis das Ergebnis bei 33 Prozent für Feldmann stehenblieb. "Wer hätte das gedacht, als Feldmann es unendlich schwer hatte, sich noch vor wenigen Wochen gegen seine internen Konkurrenten Michael Paris durchzusetzen", sagt ein gestandener Genosse. Der, Michael Paris, fehlte übrigens bei der SPD-Feier – ob er auch den Tatort im Fernsehen vorzog?

Peter Feldmann jedenfalls störte das nicht – er ließ seiner Freude freien Lauf: "Das ist der absolute Hammer", sagte er zu den 33 Prozent der Frankfurter, die ihm gestern bei der OB-Wahl die Stimme gegeben haben. Ein solches Resultat für den lange auch in Frankfurt wenig bekannten stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden hätten zu Beginn des Wahlkampfes die wenigsten für möglich gehalten.

Hier können Sie eine Excel-Datei mit den Ergebnissen aus allen Wahlbezirken herunterladen.

Nicht einmal der Kandidat selbst. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Frankfurter Stadtparlament war selbst von seinem Erfolg überrascht. So ein Ergebnis habe wohl niemand in diesem Raum für möglich gehalten, räumte er ein.

Und natürlich wolle er nicht nur um die Wähler der Piratenpartei, der Flughafen-Ausbau-Gegnerin Ursula Fechter und der Linken Janine Wissler kämpfen, die alle bei der Wahl um die vier Prozent errangen. Er werbe selbstverständlich auch um die Stimmen der Grün-Wähler. Schließlich habe er ja deren Themen schon vor dem ersten Wahlgang mit vertreten. Kampf für ein erweitertes Nachtflugverbot am Flughafen, soziale und ökologische Erneuerung der Stadt – dafür stehe er weiter, sagte Feldmann.

Die Grünen sind in einem Dilemma. Führende Parteiköpfe haben bereits am Wahlabend ausgeschlossen, nun eine Wahlempfehlung für Boris Rhein abzugeben. "Wir haben das damals nicht bei Petra Roth getan, und werden das auch dieses Mal nicht tun", sagt die scheidende Bürgermeisterin Jutta Ebeling. Allerdings koalieren die Grünen im Römer mit der CDU.

Schwer für Rhein

Die Tatsache, dass die Grünen dennoch keine Wahlempfehlung für Rhein abgeben werden, wird der SPD und ihrem Kandidaten zugute kommen. Während sich der ausgewiesene Koch- und Bouffier-Mann Boris Rhein schwer tun wird, im grünen Lager eine erhebliche Anzahl von zusätzlichen Stimmen einfahren zu können, dürfte Feldmann da weniger Probleme haben.

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