Niemand ist zu alt zum Wählen

Rund 464 000 Frankfurter waren gestern zur Wahl aufgerufen. 365 Wahllokale waren über die Stadt verteilt, CDU und SPD hatten Fahrdienste eingerichtet.
Christian Staubach vom SPD-Fahrdienst hilft Hilde Kremer (89) ins Auto.	Foto: Schmidt Christian Staubach vom SPD-Fahrdienst hilft Hilde Kremer (89) ins Auto. Foto: Schmidt

Dennis Müller (28) und Christian Staubach (29) hatten anfangs nicht viel zu tun. "Wir halten die Stellung und warten auf Anfragen", sagten die beiden Fahrer, die für die Sozialdemokraten im Parteihaus in der Fischerfeldstraße Fahrdienst angeboten haben. Seit 8 Uhr saßen sie parat. Bis 13.30 Uhr war ihr Dienst noch nicht nachgefragt.

"Naja", relativiert Inge Müller, Mutter von Dennis und bei der SPD angestellt. "Viele Gehbehinderte und Alte werden sich auch direkt bei ihren Ortsvereinen melden und fahren lassen." Sie und Christa Pütz haben im Parteihaus Telefondienst.

Da, endlich, klingelt das Telefon. "Ja?" Aha. Christa Pütz notiert den Namen. "So gegen 14 Uhr?" Dann wird es schon Zeit für Christian Staubach, in seinen Peugeot 206 zu steigen. Sein Handy dient als Navigationsgerät. Das Ziel ist die Wielandstraße.

Unterwegs erzählt er: Nein, er sei nicht Mitglied in der SPD, nein, sein Kommilitone Dennis auch nicht. Die beiden haben bis vor kurzem Jura studiert. Der Fahrdienst ist ein Ehrenamt.

Auch die CDU bietet Fahrdienste an, allerdings überwiegend dezentral organisiert. Kreisgeschäftsführer Christian Wernet hatte keine genaue Zahl der Fahrten, aber er schätzt, es waren gestern "mindestens 30". So viele dürften es auch bei der SPD geworden sein. Die Zentrale in der Fischerfeldstraße hat bis 17 Uhr fünf Fahrten abgewickelt und einige an die Ortsverbände delegiert, die auch gleichfalls mit eigenen Nummern geworben haben.

4000 Wahlhelfer waren gestern im Einsatz – so wie Hannes Schmidt, Michael Hoenemann, René Koch und Arne Haenisch. Die vier leiten nachmittags die Wahl im Lokal 281-03 im Grünen Theater in der Löwengasse in Bornheim. "Bis jetzt hatten wir niemanden im Rollstuhl", sagt Schmidt erleichtert. Die Sitzreihen im kleinen Theaterraum machen die Einfahrt schwierig. Routiniert gibt derweil Koch die Wahlurne frei, nachdem Haenisch die Wählerin Rebecca Grabow im Wählerverzeichnis abgestrichen hat. Auszählen werden am Abend alle Wahlhelfer, Früh- und Spätschicht gemeinsam. Rund 1000 Stimmen könnten dann in der Urne sein.

Inzwischen ist Christian Staubach in der Wielandstraße 45 angekommen. Eine alte Dame mit zwei Krücken kommt langsam zum Auto. Hilde Kremer ist 89 Jahre alt und seit 1975 Mitglied in der SPD. Ihren Kandidaten kennt sie: "Ich war Opernsängerin und habe oft in Feldmanns Ortsverband in Bonames kleine Auftritte gehabt."

Christian Staubach muss nicht weit fahren. Das Wahllokal 201-02 in der Berta-Jourdan-Schule ist nur knapp 300 Meter von der Wohnung entfernt. "Hier habe ich auch oft selbst als Wahlvorstand gesessen", erinnert sich Frau Kremer. "Aber jetzt bin ich zu alt." Sie stemmt sich tapfer auf ihre Krücken und geht, unterstützt von Christian Staubach, die Stufen hoch. Zu alt, ihre Stimme abzugeben, ist sie nicht. tjs

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