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Präsident des Welttischtennis-Verbandes: Welttischtennistag: Thomas Weikert hat ein Flüchtlingscamp besucht

Von Die einen feiern die Feste, wie sie fallen – mit allem Tamtam, Feuerwerk und Champagner. Die anderen schlagen da deutlich leisere Töne an. Den „Welttischtennistag“ beging zum Beispiel Thomas Weikert, der Präsident des Weltverbandes ITTF, in einem Flüchtlingslager an der jordanisch-syrischen Grenze.
Ein Quartett auf Mission in einem Flüchtlingscamp (von links): Christian Karambeu, Ryu Seung Min, Joel Bouzouki, der Präsident von „Peace und Sport“, sowie ITTF-Präsident Thomas Weikert. Ein Quartett auf Mission in einem Flüchtlingscamp (von links): Christian Karambeu, Ryu Seung Min, Joel Bouzouki, der Präsident von „Peace und Sport“, sowie ITTF-Präsident Thomas Weikert.
Limburg. 

Anfang April jährt sich für den Tischtennissport und den Weltverband ITTF ein ganz besonderer Tag: der „Welttischtennistag“. Begangen wird er traditionell mit über 400 Aktionen in mehr als 100 verschiedenen Nationen. Der Startschuss für das Hauptprojekt fiel in diesem Jahr an einem außergewöhnlichen Ort: in einem Lager syrischer Flüchtlinge an der syrisch- jordanischen Grenze. Klar, es gibt Plätze, an denen man sich wohler fühlt . . .

ITTF-Präsident Thomas Weikert griff im Flüchtlingscamp auch mal selbst zum Tischtennisschläger. Bild-Zoom
ITTF-Präsident Thomas Weikert griff im Flüchtlingscamp auch mal selbst zum Tischtennisschläger.

„Mulmiges Gefühl“

Gemeinsam mit dem unter der Schirmherrschaft von Prinz Albert stehenden monegassischen Verein „Peace and Sport“ und seinem Präsidenten Joel Bouzouki führt die ITTF bei den Ärmsten der Armen ein Drei-Jahres-Projekt mit Trainingskursen, der Ausbildung von Trainern und schulischen Maßnahmen in der Hauptsache für Kinder durch. Das ruft natürlich den ITTF-Präsidenten Thomas Weikert, Rechtsanwalt aus Limburg, auf den Plan. Er, der die Luxus-Hotels dieser Welt kennt und auf seinen Reisen in der Regel auf keine Annehmlichkeit verzichten muss, hat sich gerne in den Flieger gesetzt. Sein Reiseziel: Jordanien.

„Das Flüchtlingscamp liegt mitten in der Wüste in einer sehr unwirtlichen Gegend, ohne irgendein Grün, dafür mit erheblichen Temperaturunterschieden bei Tag und Nacht sowie in den unterschiedlichen Jahreszeiten“, beschreibt er die Umgebung. 80 000 Menschen leben hier unter sehr ärmlichen Bedingungen. „Aber immerhin“, bemerkt Thomas Weikert, „sie sind dem Krieg entkommen.“ In und um das Lager herrschen natürlich immense Sicherheitsvorkehrungen, die den Besuchern ein mulmiges Gefühl vermitteln. „Und der Kopf sagt so manches Mal: ,Okay, kehren wir um’“, erzählt der Oberzeuzheimer. „Es sind diese ambivalenten Gefühle, die einen auf Schritt und Tritt begleiten.“

Doch es gibt auch schöne Momente. Nach der ersten Trainingseinheit mit etwa 20 Kindern beginne man doch zu glauben, dass man etwas bewirken könne, und sei es nur, um den Kindern eine unbeschwerte Stunde zu bescheren. So geht es auch dem kompletten Team, bestehend aus 15 Frauen und Männern. Neben Weikert waren unter anderem mit dabei: der Tischtennis-Olympiasieger von 2004 im Herren-Einzel, Ryu Seung Min aus Korea, und Christian Karembeu, seines Zeichens Fußballweltmeister von 1998 mit Frankreich und ehemaliger Spieler von Real Madrid.

Ein Fußballer beim Tischtennis? Karembeu ist Botschafter für „Peace and Sport“ und hat selbstredend auch mit den Kindern Fußball gespielt. „Beide Stars sind wirklich klasse“, berichtet Weikert. „Sie machen alles mit, spielen und spielen, geben Tipps und Autogramme.“ Und natürlich sind Fotos sehr beliebt . . . „Manchmal darf es auch eines von mir sein – aber nur manchmal“, übt sich der Präsident des Welttischtennis-Verbandes schmunzelnd in gewohnter Bescheidenheit.

Am Abend ist er ebenso müde vom Tischtennis und den diversen Eindrücken im Camp wie die beiden Sportstars an seiner Seite. Mehr als 400 Kinder betreut die ITTF jetzt an vier verschiedenen Standorten in dieser seltsamen „Großstadt“ ohne Shopping-Center mitten im staubigen Niemandsland. Sehr wohl aber gibt es hier kleine Geschäfte, denn die Flüchtlinge haben sich unter anderem mit Hilfe der UNO und anderen internationalen Hilfsorganisationen, darunter viele deutsche, so gut es geht eingerichtet. Das mulmige Gefühl verschwindet bei den dort absichtlich „Gestrandeten“ aus der reichen westlichen Welt nach und nach. „Unser komplettes Team hatte das Gefühl, wir sind in den improvisierten ,Sportvierteln’ auf selbstgezimmerten Tischtennis- und Küchentischen sehr willkommen“, beschreibt Weikert das, was alle innerlich aufwühlt. „Wir machen hier weiter“, sagt er, „aber wir sollten nicht vergessen, dass wir Leid lindern, das andere verursacht haben, und für das die Politik bisher keine Lösung findet.“

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