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Eintracht Frankfurt: Der Fluch der guten Tat - Pokalsieger werden so nicht mehr zusammenspielen

Von Erfolg weckt Begehrlichkeiten: Womöglich wird die Eintracht den einen oder anderen Star abgeben müssen. Sie kann aber selbst auch kräftig investieren.
Gerade offenbar besonders begehrt: Omar Mascarell (links), hier mit Kollege David Abraham und den Pokalsieger-Medaillen. Foto: Christian Klein (FotoKlein) Gerade offenbar besonders begehrt: Omar Mascarell (links), hier mit Kollege David Abraham und den Pokalsieger-Medaillen.
Frankfurt. 

Fans von Eintracht Frankfurt sind begeisterungsfähig. Das hat die Euphorie nach dem Pokalsieg gezeigt, als sich die ganze Stadt im Ausnahmezustand befand. Sie sind auch leidensfähig. Das haben sie bewiesen über Jahrzehnte mit vier Abstiegen aus der Bundesliga oder der verpassten Meisterschaft in Rostock. Liebe und Zuneigung zum Verein sind immer geblieben. Nun reiben sich die Anhänger der Adler wieder erstaunt die Augen. Denn der Pokalsieg mit all seinen schönen Nebenwirkungen könnte sich auch zum Fluch der guten Tat entwickeln.

Die Sieger-Mannschaft, das steht jetzt schon fest, wird so nicht mehr zusammenspielen. Dass es Veränderungen geben würde, ist keine Überraschung. Doch glaubt man verschiedenen Medien, könnte es nicht nur leichte Umbauarbeiten geben, sondern wieder ein größerer Umbruch stattfinden. Wie in den vergangenen beiden Jahren. „Wir müssen nicht von Ausverkauf oder Aderlass reden“, versucht Sportvorstand Fredi Bobic zu beruhigen, „wir haben ein sehr gutes Gerüst und müssen nur punktuell ansetzen“. Allerdings sei es im Profifußball nie ausgeschlossen, „dass noch etwas passiert, weil es ja größere Haie gibt als uns kleine Fische“.

Bobic hat schon bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren klargemacht, dass es keine „unverkäuflichen“ Spieler bei der Eintracht mehr geben wird. Günstig einkaufen, teuer verkaufen – das sollte ein Teil der Vereinsstrategie werden.

Mascarell im Mittelpunkt

Nun ist einiges in Bewegung gekommen. Torwart Lukas Hradecky geht zu Bayer 04 Leverkusen, blöderweise ablösefrei. Marius Wolf geht zu Borussia Dortmund, blöderweise für eine Ablöse von nur fünf Millionen Euro. Zwei Abgänge stehen also fest. Und fast täglich wird mehr oder weniger seriös über weitere Abgänge spekuliert.

Im Mittelpunkt steht aktuell Omar Mascarell. Bei dem 25-jährigen Mittelfeldspieler ist in den noch bis zum 30. Juni 2019 laufenden Vertrag eine Klausel verankert, derzufolge er für eine Ablöse von vier Millionen Euro zu Real Madrid zurückkehren könnte. Ob Real von der Rückkaufoption freilich Gebrauch machen wird, weiß niemand so genau. Angeblich kann die Option zwischen dem 2. und 15. Juli gezogen werden. Die Fachzeitschrift „Kicker“ schreibt unter Berufung auf spanische Medien, Real würde die Option ziehen, vier Millionen nach Frankfurt überweisen und Mascarell dann womöglich meistbietend weiterverkaufen.

Mascarell ist begehrt, obwohl er in der abgelaufenen Saison verletzungsbedingt nur neun Spiele absolviert hat. Aus der Bundesliga ist das Interesse der TSG Hoffenheim verbürgt. Nun soll sich Schalke 04 bemühen, angeblich auch der FC Bayern mit Mascarells ehemaligem Eintracht-Trainer Niko Kovac. Alles Teams, die in der nächsten Saison Champions League spielen. Doch, und das ist der erste Trumpf der Eintracht, unterhält Bobic beste Kontakte nach Madrid. Wie groß die Chancen wirklich sind, hängt von der Geschäftstüchtigkeit des dreimaligen Champions-League-Siegers ab, der ja nicht unbedingt auf jede einzelne Million Euro angewiesen sein dürfte.

Mit der Eintracht hat Real zuletzt gute Kontakte gepflegt und gute Erfahrungen gesammelt. So wurde Jesus Vallejo in Frankfurt auf jenes Niveau gehoben, das ihn befähigt hat, in dieser Saison in den Kader der Königlichen integriert zu werden. Gerüchte, Vallejo könnte zurückkehren, weil er nicht zum absoluten Stamm gehört, gibt es übrigens auch. Im Fall Mascarell wiederum hält die Eintracht noch einen weiteren Trumpf in Händen: Der Spanier würde wohl gerne in Frankfurt bleiben.

Ein warnendes Beispiel

Bei ihm wird der Club auch sicher größte Anstrengungen unternehmen, ihn nicht zu verlieren, und womöglich mitbieten. Denn bei aller Begeisterung über die Geschlossenheit der Mannschaft: Den Unterschied zwischen Mittelmaß und zumindest nationaler Klasse haben in der vergangenen Saison einzelne Spieler gemacht. Hradecky zum Beispiel, auch Wolf, beide sind sie weg. Mascarell ist ebenfalls einer dieser Unterschiedsspieler, Ante Rebic der nächste. Um den Kroaten gibt es auch Spekulationen. Ab einer bestimmten Summe, die angeblich bei 40 Millionen Euro liegen soll, würde die Eintracht laut Bild-Zeitung schwach werden. Das würde zur Bobic-Philosophie passen. Doch der Eintracht-Boss weiß genauso, dass er die Substanz auch nicht zu sehr ausdünnen darf. Der 1.FC Köln, der vor einem Jahr für Anthony Modeste angeblich rund 26 Millionen Euro erhalten hat, ist ein warnendes Beispiel.

Immerhin, die Eintracht hat auch genug Geld zusammen, um selbst kräftig investieren zu können. Der Pokalsieg, die allgemein positive Entwicklung im Sponsoren- und Marketing-Bereich, die Steigerung der TV-Gelder und eine Aufstockung des Eigenkapitals um rund 15 Millionen auf jetzt 28 Millionen Euro haben die Basis in nie bekannte Höhen geschraubt. Bobic kann also auch shoppen gehen. Ausgegeben wurden bislang knapp vier Millionen Euro, drei Millionen für Torwart Frederik Rönnow und 800 000 für Trainer Adi Hütter. Dabei wird es nicht bleiben – zumal ja auch Millionen aufs Konto fließen werden. Fünf Millionen Euro für Wolf, 2,2 Millionen für Kovac. Und im Fall eines Abschieds von Omar Mascarell weitere vier Millionen.

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