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Eintracht Frankfurt: Mitfiebern über den Wolken

Die Reise in die USA vergeht für die Eintracht buchstäblich wie im Flug, der WM sei dank. Talent N’Dicka ist nicht dabei, dafür ein Gast aus Liverpool.
Einchecken für den USA-Flug – und vielleicht ja auch für ein etwas längeres Eintracht-Engagement: Allan Souza nimmt einen neuen Anlauf unter Adlern. Foto: Jan Huebner/Ulrich (Jan Huebner) Einchecken für den USA-Flug – und vielleicht ja auch für ein etwas längeres Eintracht-Engagement: Allan Souza nimmt einen neuen Anlauf unter Adlern.
Frankfurt. 

Über den Wolken soll die Freiheit ja unendlich und also grenzenlos sein, was bei genauerer Betrachtung ziemlicher Unsinn ist, aber über den Wolken, das ist kein Unsinn, rollt der Ball – zumindest via Flachbildschirm im Sitz des Vordermannes. Und so verging der Dienstflug der Eintracht-Entourage nach Dallas, Texas, wie im Flug.

Die Frankfurter Reisegruppe mit Endziel Salt Lake City vertrieb sich die Zeit während des zehnstündigen Fluges über den Atlantik mit der Fußball-WM, genauer gesagt den Viertelfinalpartien zwischen Schweden und England sowie Kroatien und Russland. Die Sympathien waren gerade bei der zweiten Paarung klar verteilt, allesamt drückten Mitspieler Ante Rebic die Daumen und fieberten aus sicherer Entfernung mit den Kroaten. Einzige Ausnahme und aussichtslos in der Unterzahl, Max Besuschkow, Hinterbänkler mit russischen Wurzeln. Sollte nichts nutzen, aus elf Metern verlupften und verballerten die Gastgeber das Halbfinale. Eintracht-Kapitän David Abraham ließ es sich nicht nehmen, via Homepage und im Namen der Kollegen dem kroatischen Mitstreiter zu gratulieren: „Glückwunsch, Ante!“

Nach knapp 18 Stunden hatte das 24 Mann starke Frankfurter Team den Bestimmungsort erreicht, Salt Lake City, die Stadt der Mormonen in der Großen Salzwüste Utahs am Fuße der Rocky Mountains. Müde waren sie, die Fußballer, klar, eine Zeitumstellung von acht Stunden gilt es selbst als Hochleistungssportler erst einmal zu verdauen, und der Sommer in Utah toppt den in Frankfurt noch mal um zwölf, 13 Grad, Temperaturen von 40 Grad sind nichts Ungewöhnliches. Man kann nun nicht behaupten, dass die Frankfurter die strapaziöse Anreise in einem de luxe Wohlfühltempel verarbeiten können, die Real Salt Lake Academy ist ein hochmoderner, aber eben auch funktionaler Komplex mit gehobenem Sportschulcharme. Die Plätze sind indes in Topzustand, für die Eintracht ist natürlich ein eigener Bereich reserviert.

N’Dicka bei der A-Jugend

Trainer Adi Hütter plant in der Regel zwei Einheiten täglich. „Aber wir werden nach dem langen Flug sicher nicht vom ersten Tag an konditionell richtig reinbolzen“, sagte er. Das Hauptaugenmerk liegt aber nach dem ersten Beschnuppern auf einem tieferen Kennenlernen.

Schon morgen steht das erste Testspiel an, um 20 Uhr Ortszeit (4 Uhr deutscher Zeit) geht es gegen das MLS-Team Real Salt Lake. Am Donnerstag fliegt der Eintracht-Tross weiter an die Ostküste, in Philadelphia treffen die Hessen Samstag um 19 Uhr (1 Uhr deutscher Zeit) auf Philadelphia Union.

Einer hat den Trip in die Staaten erst gar nicht angetreten, Neuzugang Evan N’Dicka, das sechs Millionen Euro schwere Talent aus Auxerre. Der 18-Jährige hat seine Reiseunterlagen nicht vollständig vorlegen können, angeblich war auch sein Reisepass abgelaufen. Schlechte Voraussetzungen, um in die Staaten einzureisen. Oder, anders formuliert, ein Ding der Unmöglichkeit. „Für uns ist aber wichtig, dass wir den Spieler zu uns holen konnten“, wiegelte Sportdirektor Bruno Hübner ab. Der Verteidiger wird nicht nach Salt Lake jetten, sondern nach Passau fahren. Dort hat die A-Jugend ihr Trainingscamp aufgeschlagen. N’Dicka soll an der österreichischen Grenze individuell betreut werden. Immerhin.

Klopps Schwärmereien

Mit dem unfreiwilligen Verzicht auf den USA-Trip wandelt der Franzose auf den Spuren seines Landsmanns Sebastien Haller, der vor Jahresfrist ebenfalls nicht alle Papiere beisammen hatte und erst mit fünftägiger Verspätung im kalifornischen San José eintraf. Gastspieler Allan Souza vom FC Liverpool hat es indessen an Bord der Maschine geschafft. Der 21-Jährige, im defensiven Mittelfeld zu Hause, war in den vergangenen Jahren stets ausgeliehen. Dabei schwärmte Reds-Trainer Jürgen Klopp von dem technisch versierten, aber doch schmächtigen Linksfuß. „Ich habe ihn im Training gesehen und dachte: Oh, mein Gott. Der Junge ist gut“, sagte Klopp, der ihm sogar den Sprung in die brasilianische Nationalmannschaft zutraut. „Er ist ein herausragendes, außergewöhnliches Talent. Er ist ein klasse Spieler mit einer guten Einstellung“, und sehr beliebt obendrein. „Jeder hier liebt ihn.“ Dummerweise hat er seit seinem Wechsel vor drei Jahren noch nie für den FC Liverpool gespielt, und das wird Allan Souza, in der Saison 2016/2017 immerhin bei 15 Einsätzen für Hertha BSC am Ball, auch nicht mehr. Er hat schlichtweg keine Arbeitserlaubnis für England, darf auf der Insel gar nicht für einen Proficlub auflaufen.

So schreibt es die mächtige Football Association vor. Der englische Verband knüpft die Bedingungen für die Spielerlaubnis der Nicht-EU-Ausländer an ein kompliziertes Punktesystem. Da segelt Allan unter der Latte hindurch. In Frankfurt hofft er noch mal auf einen Neuanfang in einer guten Liga. Vor der Berlin-Leihe spielte er in Finnland und Belgien, zuletzt auf Zypern. Ob er noch mal wird durchstarten können?

Im Hintergrund basteln die Verantwortlichen natürlich weiter am Kader, und da tauchen stets neue Namen auf. Die portugiesische Zeitung „A Bola“ will vom Eintracht-Interesse an Mittelfeldspieler Chico Geraldes von Sporting Lissabon gehört haben. Die Hessen sollen sechs Millionen Euro geboten haben, der 23 Jahre alte Portugiese hat allerdings eine – warum auch immer so utopisch hoch taxierte – Ausstiegsklausel in Höhe von 45 Millionen. Und der für gewöhnlich gut unterrichtete Sky-Italia-Reporter Gianluca Di Marzio, der auch als erster den Boateng-Deal verkündete, meldet das Buhlen um den 22-jährigen Außenstürmer Daniele Verde von AS Rom. Der Italiener, vertraglich bis 2020 gebunden, lief zuletzt auf Leihbasis für Hellas Verona auf. Seine Bilanz: 30 Spiele, zwei Tore, drei Vorlagen. Hellas stieg sang- und klanglos ab.

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