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Eintracht Frankfurt: Zauberlehrling Aymen Barkok klopft wieder oben an

Von An der Costa Blanca hinterließ Barkok einen guten Eindruck. Der Zauberlehrling hat dazugelernt – und könnte ein Fall für die erste Elf sein.
Ob im sonnigen Spanien oder im frostigeren Frankfurt: Auch die Trainingsarbeit erledigt Aymen Barkok (links) gerne mit einem Lächeln im Gesicht, wie hier mit Kollege Omar Mascarell. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Ob im sonnigen Spanien oder im frostigeren Frankfurt: Auch die Trainingsarbeit erledigt Aymen Barkok (links) gerne mit einem Lächeln im Gesicht, wie hier mit Kollege Omar Mascarell.
Frankfurt. 

Ganz leicht, das lässt Aymen Barkok durchblicken, fällt die Umstellung nicht. „Es ist kälter als in Spanien und der Platz ist nicht so gut“, meinte er gestern Mittag, als er die zweite Trainingseinheit nach der Rückkehr aus dem warmen Winterlager an der Costa Blanca ins frostigere Frankfurt hinter sich gebracht hatte, auf dem Rasen vor der Arena. Aber da muss man durch, und ein sonniges Gemüt zumindest hat er so oder so. „Ich bin ein glücklicher Mensch und lache viel“, sagt der eigentlich immer freundlich und fröhlich daherkommende Träger vieler Eintracht-Hoffnungen über sich selbst auf die Frage, ob er zwischenzeitlich, als es nicht so lief, vielleicht einmal ein etwas anderes, härteres Gesicht habe zeigen müssen. „Wenn man nicht spielt, wird das Lachen ein bisschen weniger“, antwortet er auch, jetzt, da das Lachen wieder da ist, voll und ganz.

In den Tagen am Mittelmeer zählte der immer noch gerade einmal 19 Jahre junge Mann aus der Frankfurter Nordweststadt, dessen Eltern aus Marokko stammen und der bereits ein gutes Dutzend Einsätze für deutsche Nachwuchsnationalmannschaften bestritt, zu jenen, die durchaus Eigenwerbung betreiben konnten. Schon vor der kurzen Winterpause war es wieder besser gelaufen. In Berlin hatte Trainer Niko Kovac sein derzeit wohl größtes Talent nach der Pause eingewechselt und danach ausdrücklich gelobt. Gegen die großen Bayern stellte er ihn dann erstmals in dieser Bundesliga-Saison in die Startelf, und auch in den letzten Hinrundenpartien in Hamburg und gegen Schalke durfte Barkok noch von der Bank auf den Rasen.

Ratschläge vom Trainer

Möglicherweise findet er sich dort auch am Samstag gleich zu Beginn wieder, wenn die Eintracht zu ihrem Rückrundenstart den SC Freiburg empfängt. Ein Gefühl dafür hat er selbst noch nicht, auch noch keine Signale vom Trainer empfangen. „Ist doch auch egal, wer auf dem Platz steht: Hauptsache, wir gewinnen“, sagt er ganz sportsmännisch und hält sich, was die Ziele zum Wiederbeginn angeht, an die allgemeine Sprachregelung: „Wir wollen die drei Punkte hier zu Hause lassen, und wir sind gut vorbereitet.“

Was für ihn selbst ganz besonders gilt. Ob bei den Trainingseinheiten im Hotel Golf Campoamor oder bei dem mit 3:1 gewonnenen Testspiel am vergangenen Samstag gegen den Zweitligisten Erzgebirge Aue – immer wieder wurde Kovac gerade in seinem Fall zu einem echten Fußballlehrer, der Fehler korrigiert und Hinweise auf den Rasen ruft. Nichts Neues für Barkok. „Der Trainer gibt mir immer Ratschläge. Lass’ den Ball klatschen, dreh auf“, zählt er beispielsweise auf und grinst: „Gegen Aue hat man das gehört, da war es nicht so laut wie sonst im Stadion.“ Und der technisch versierte Mittelfeldspieler hörte auf den Trainer, nutzte die Chance in der ersten Test-Elf – nicht nur wegen der Vorlage zum 2:0 durch Branimir Hrgota – mit einem Lauf über den rechten Flügel und einer flachen Hereingabe in die Mitte.

Aus dem Tal gekommen

Es hat eine Weile gedauert, bis Aymen Barkok aus dem Tal gekommen ist, in das er nach seinem Raketenstart gefallen war. Wenn er selbst über gut ein Jahr zurückblickt, sagt er: „Es ging ganz schön schnell.“ Sein sensationeller Last-Minute-Siegtreffer in Bremen im November 2016, als Kovac diesen Nobody aus dem Ärmel schüttelte. Die Einsätze in den folgenden Wochen, gekrönt von den Traumtänzen im besten Sinne beim 3:0 gegen Mainz, mit einem Tor und einer Vorlage und Streicheleinheiten für den Ball, die so manchen an den legendären Trickser Jay-Jay-Okocha erinnerten. Und dann das Loch in der Rückrunde, als er die Unbekümmertheit verlor und eine Weile lang nichts mehr gelingen wollte. Ganz normal eigentlich bei einem jungen Spieler, der so durchgestartet ist. Abgehoben ist er ohnehin nicht, da haben seine Eltern schon darauf geachtet, dafür scheint er auch nicht der Typ zu sein. Immer noch bummelt er wie früher durchs Nordwestzentrum, auch wenn er jetzt ab und zu mal ein Autogramm schreiben muss. Und auf dem Trainingsplatz hat er einfach weiter Gas gegeben. „So ist das Selbstvertrauen zurückgekommen“, erklärt er.

Schritt für Schritt hat er sich wieder in Form gebracht – und Kovac hat ihn dabei immer wieder eingenordet, ihm beispielsweise heikle Dribblings in der eigenen Hälfte auszutreiben versucht. „Der Trainer will nur zwei, drei Kontakte haben“, erklärt Barkok die Pläne für den Spielaufbau: „Erst im vorderen Drittel darf man sich austoben.“ Dort kann er auch seine besonderen Fähigkeiten einbringen. Was für ihn spricht in der durch die langsame Rückkehr des Langzeitpatienten Marco Fábian noch einmal verschärften Konkurrenz im offensiven Mittelfeld? „Ich kann in Eins-gegen-eins-Situationen gehen, den entscheidenden Pass spielen und auch selbst aufs Tor schießen“, weiß er, bei aller Bescheidenheit.

Zumindest solange Fábian noch nicht wieder ganz so weit ist, hat er durchaus Chancen, das auch von der ersten Minute an zeigen zu dürfen. Oder, wenn Kovac ihm am Samstag doch Mijat Gacinovic erst einmal vorzieht, was gut möglich ist, vielleicht als Joker Impulse zu setzen. Der Zauberlehrling hat dazugelernt. Und wenn jetzt noch etwas mehr Handwerk in der Abwehrarbeit dazukommt, ist er auf dem besten Weg, ein seriöser, gestandener Bundesliga-Profi zu werden. Die Gedanken, sich vielleicht in die Zweite Liga ausleihen zu lassen, um Spielpraxis zu sammeln, sind erst einmal abgehakt. „Wenn ich das ganze Jahr nicht gespielt hätte, wäre das vielleicht anders gewesen“, erzählt er. „Aber das hat sich dann ja erledigt. Für mich kam das nicht infrage. Und es ist auch keiner auf mich zugekommen und hat mir das vorgeschlagen.“

Für die Eintracht wäre das auch schade gewesen. Schließlich ist das Eigengewächs ein Aushängeschild für die Nachwuchsarbeit am Riederwald. „Wenn wir jedes Jahr einen Barkok rausbringen, ist die Eintracht auf dem richtigen Weg“, hat Sportdirektor Bruno Hübner vor dem Abflug aus Spanien gesagt. „Es freut mich, das zu hören“, sagt Aymen Barkok dazu – und lacht übers ganze Gesicht.

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