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Manager des 1. FFC Frankfurt im Interview: Siegfried Dietrich: "Ich spüre keine Resignation"

Sieht seine Mannschaft in der nächsten Saison um die Plätze drei bis fünf kämpfen: Siegfried Dietrich, Chef des 1. FFC Frankfurt. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Sieht seine Mannschaft in der nächsten Saison um die Plätze drei bis fünf kämpfen: Siegfried Dietrich, Chef des 1. FFC Frankfurt.
Frankfurt. 

Siegfried Dietrich machte einst aus dem kleinen Frankfurter Club SG Praunheim den erfolgreichsten und finanzstärksten Frauenfußball-Verein in Europa, den 1. FFC Frankfurt. Jahrelang kämpfte der Manager für die bundesweite Popularität der Sportart; nun muss er zusehen, wie ihm die Frauenabteilungen bekannter Männer-Vereine den Rang ablaufen. Das könnte sich aber bald wieder ändern, meint der 60-Jährige im Gespräch mit FNP-Mitarbeiter Michael Löffler.

Vorneweg: Sind Sie der Uli Hoeneß des Frauenfußballs?

SIEGFRIED DIETRICH: Diesen Vergleich sehe ich als Kompliment. Ich bin aber kein Hoeneß. Wir arbeiten in völlig unterschiedlichen Dimensionen. Was Uli und ich vielleicht gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass wir früher als unsere Konkurrenten und Mitbewerber das wirtschaftliche Potenzial unserer Sportart erkannt haben. Ich habe einst ein Geschäftsmodell für den Frauenfußball entwickelt, bin bis heute ehrenamtlicher Manager, aber auch Investor des 1. FFC Frankfurt. Für die Überlassung der Vermarktungsrechte garantiere ich dem Verein jährlich eine Werbepacht, mit der man auf gutem Niveau planen kann.

Aber Sie arbeiten ja nicht ehrenamtlich. . .

DIETRICH: Bei uns gilt es, jeden Cent mit einem guten Vermarktungskonzept eigenständig zu erarbeiten. Von diesem Ergebnis, das für einen reinen Frauenfußball-Club immer noch ein Spitzenwert ist, hängen meine Einnahmen ab.

Ihr Modell war richtungweisend und erfolgreich. Der FFC ist mit vier Triumphen immer noch der Rekordgewinner der Champions League. Insgesamt hat der Verein 20 Titel geholt. Gab es dabei ein Ereignis, das Ihnen besonders im Gedächtnis haftet?

DIETRICH: Alle Siege waren etwas Besonderes. Bei den Erinnerungen an zwei Triumphe bekomme ich aber immer noch eine Gänsehaut. Zum einen denke ich an unseren ersten DFB-Pokalsieg 1999. Es war unser erster Titel, mit dem ein langersehnter Traum in Erfüllung gegangen ist. Die einzigartige Atmosphäre im Berliner Olympiastadion, die 25 000 Fans, die unseren 1:0-Sieg über den FCR Duisburg live sahen, das Glücksgefühl, als uns der Bundespräsident beglückwünschte, sowie die berauschende Pokalparty – das sind Augenblicke, die man nie vergisst. Ebenso erging es mir bei unserem ersten Gewinn der internationalen Krone. Als die Feuerwerk-Raketen in den Nachthimmel über der Frankfurter Commerzbank-Arena schossen und die Zuschauer im Stadion sowie eine Million Menschen an den TV-Geräten nach einem packenden Match gegen den schwedischen Champion Umea IK die Treffer unserer Stars Steffi Jones und Birgit Prinz bejubelten, die das international erste aus Meisterschaft, Pokal und Europacup bestehende Triple perfekt machten, konnte nichts die Gefühle trüben, die ich empfand.

Doch diese Zeiten sind passé. Die finanzkräftigen Lizenzvereine haben Ihnen – wie Sie einst selbst prophezeiht hatten – den Rang abgelaufen. Kommen da Wehmut und Neid auf?

DIETRICH: Wehmut ist nicht das richtige Wort. Denn es klingt nach Resignation. Und davon ist bei mir kein bisschen zu spüren. Ich sehe die gegenwärtige Situation als eine Herausforderung an. Und Neid kommt überhaupt nicht auf. Wir haben jahrelang Pionierarbeit geleistet, neue Standards im Frauenfußball gesetzt, den Boden für die Entwicklung des gewachsenen Wettbewerbs geebnet und das Interesse der großen Vereine geweckt. Wären wir mit der Professionalisierung des Frauenfußballs nicht in neue Dimensionen vorgestoßen, würde es heute wahrscheinlich kein solches Engagement von Bayern München, VfL Wolfsburg, Olympique Lyon, Paris St. Germain, Manchester City oder FC Barcelona geben.

Sehen Sie eine Chance, sich irgendwann mit diesen Großvereinen wieder auf Augenhöhe zu messen?

DIETRICH: Klar führte der Einstieg der Lizenzvereine zu einem gewissen Ungleichgewicht der Kräfte. Während wir jeden Euro selbst akquirieren müssen, werden die Frauen in den Männervereinen vorwiegend aus der Portokasse bezahlt. Ich bin mir aber sicher, dass sich die Philosophie bei diesen Vereinen bald schon neu orientieren wird. Eine reine Subventionierung der Frauen wird es sicher nicht ewig geben. Sie werden dazu übergehen, den Frauenbereich auch unternehmerisch lebensfähig zu gestalten. Vorausgesetzt, die Einnahmemöglichkeiten durch Marketingmaßnahmen, TV-Gelder und Zuschauereinnahmen werden sich weiterentwickeln, haben wir dank des dann neu entstehenden Vermarktungs-Wettbewerbs wieder eine Chance, vorne mitzumischen. Unsere sehr engagierten Partner und Sponsoren gehen den von uns eingeschlagenen Weg aus Überzeugung mit. Wir wollen im Verein, alle gemeinsam, das Geschaffene weiter optimieren und neue Perspektiven für eine erfolgreiche Zukunft entwickeln.

Tatsache bleibt aber, dass in Saskia Bartusiak der „letzte Mohikaner“ der großen Erfolge ihre Karriere beendet hat, die Zeit der früheren Stars, mit denen der Frauenfußball in Deutschland groß wurde, am Brentanobad zu Ende ist. Wie wollen Sie gegen Bayern, Wolfsburg oder Freiburg bestehen?

DIETRICH: Die Ausbildung der Nachwuchsspielerinnen in Deutschland wird immer besser und steht bei uns absolut im Fokus. Früher gab es nur einige Talente, die sich die Spitzenteams geschnappt hatten. Jetzt sind auf dem Markt viel mehr Top-Youngster, die sich auf viele Bundesligisten verteilen.

Wie sieht es beim 1. FFC Frankfurt konkret aus?

DIETRICH: Wir haben in der vergangenen Saison in Cara Bösl, Janina Hechler, Saskia Matheis und Tanja Pawollek bereits vier starke Talente in unser Bundesliga-Team integriert. In Theresa Panfil, die wegen eines Kreuzbandrisses die Saison versäumt hat, hoffen wir nun, ein weiteres Eigengewächs einbauen zu können. In diesem Jahr werden weitere Juniorinnen ihren Weg bei uns gehen. Geführt werden sie von der Riege der Leistungsträgerinnen, die sich in unseren Umbruchphasen zu Führungsspielerinnen entwickelt haben und sich weiterentwickeln werden. Hier werden auch die gezielten Neuverpflichtungen, die japanische Nationalstürmerin Kumi Yokoyama, die Abwehrspielerin Cecilie Sandvej aus der dänischen Nationalelf sowie die U 20-Weltmeisterin Margarita Gidion aus Essen, helfen. Wir wollen unsere Punktausbeute aus der vergangenen Saison steigern. Realistisch gesehen, können wir um die Plätze drei bis fünf spielen. Natürlich würden wir nur zu gerne weiter oben anklopfen und in Zukunft wieder Frankfurt in der Champions League repräsentieren.

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