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Große Turniere: Der aufgeblähte Fußball - WM bald mit 48 Mannschaften

Die EM wird schon mit 24 Mannschaften ausgetragen, die WM bald mit 48. Dazu kommen immer neue Wettbewerbe – und die nächste Entscheidung steht an.
Ob er gerade die nächste Mega-Idee ausbrütet? Fifa-Boss Gianni Infantino hat bereits die WM 2026 mit 48 Teams auf den Weg gebracht. Foto: Martin Ruggiero (AP) Ob er gerade die nächste Mega-Idee ausbrütet? Fifa-Boss Gianni Infantino hat bereits die WM 2026 mit 48 Teams auf den Weg gebracht.
Frankfurt. 

Für die Fußball-Puristen könnte es noch früher noch schlimmer kommen. Einen Tag vor dem Anpfiff der Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni bis 15. Juli) berät der Kongress des Weltverbandes Fifa den Vorschlag, schon zum Turnier 2022 in Katar 48 statt 32 Mannschaften antreten zu lassen. Die Mega-WM, ein Sinnbild für die kaum mehr aufzuhaltende Kommerzialisierung des Sports, sollte eigentlich erst vier Jahre später kommen.

Offiziell kommt der Antrag aus Südamerika, und formal geht es nur um eine Machbarkeitsstudie, die in den kommenden Monaten durchgeführt werden würde. Zudem müsste Katar laut Fifa-Präsident Gianni Infantino zustimmen. Schließlich „müsse man zusammenarbeiten“. Am Persischen Golf laufen die Vorbereitungen auf eine 32er-WM aber bereits seit Jahren auf Hochtouren. Die Aufstockung würde Katar vor eine Mammutaufgabe stellen, die vielleicht nur im Verbund mit den Nachbarländern zu stemmen wäre – mit denen befindet sich der WM-Gastgeber aber inmitten einer politischen Krise.

Mehr Teams, mehr Geld

Hinter der Idee steckt angeblich Infantino, der schon die Mega-WM 2026 auf den Weg gebracht hatte. Die Entscheidung traf im Januar 2017 das Fifa-Council, damals noch ohne einen Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die Rechnung des Weltverbandes ist einfach: Mehr Teams bedeuten mehr Einnahmen durch höhere Vermarktungschancen. Die Verbände freilich wandeln auf einem schmalen Grat. An einem qualitativen Mehrwert zumindest zweifeln viele Kritiker. Schon die Aufstockung der Europameisterschaft auf 24 Mannschaften führte bei der Erstausgabe 2016 in Frankreich zu vielen spielerisch wenig berauschenden Partien. Eine Übersättigung war kaum von der Hand zu weisen.

Die Befürworter halten die erhöhten Chancen für mehr Nationen dagegen. Bei 48 Startern können auch Länder den WM-Traum leben, die bislang häufig oder immer in der Qualifikation gescheitert waren. Unterstützer der 48er-Idee kommen eher nicht aus Europa.

Wo geht das überhaupt?

Die nächste Frage, die bei den kommenden Vergaben beantwortet werden muss, ist, wo das Mega-Event überhaupt noch stattfinden kann. In Europa könnten Deutschland, Frankreich und England wohl ohne Probleme auch 48 Mannschaften beherbergen, selbst große Fußballnationen wie Spanien und Italien aber haben mit maroden Stadien zu kämpfen.

Für 2026 bewerben sich die USA, Kanada und Mexiko in einer gemeinsamen Kampagne sowie Marokko. Die Nordafrikaner wurden am vergangenen Wochenende von der Fifa mit einer schlechten Bewertung abgestraft – der Glaube, dass in Marokko eine perfekt organisierte WM stattfinden könnte, schwindet.

Dass es in den kommenden Jahren vermutlich nicht besser werden dürfte, beweisen die Pläne für immer neue Wettbewerbe. Im September startet die Nations League der Europäischen Fußball-Union (Uefa), die zwar quasi nur die Test-Länderspiele ersetzt und deshalb nicht zu einer höheren Belastung der Spieler führt – aber eben auch einen neuen Pokal zu bieten hat, dessen sportlicher Wert den des Confed Cups wiederum kaum übersteigen dürfte.

Infantinos Pläne gehen noch weiter. Der Schweizer will die Nations League auf die ganze Welt ausweiten. Zudem soll die Club-WM aufgestockt werden, wohl mindestens auf 24 Mannschaften. Das Vereinsturnier würde dann nur noch alle vier Jahre stattfinden. Freilich nicht im gleichen Sommer wie die Weltmeisterschaften: Konkurrenz im eigenen Haus wollen sich die hohen Herren dann doch nicht selbst machen.

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